CAMPUS

„Schreiben um des Schreibens Willen“

Die Hochschulgruppe KITeratur hat sich aus einer Übung zum freien Schreiben heraus entwickelt. Nun treffen sich die Mitglieder zum gemeinsamen Kreativsein, sie organisieren interaktive Lesungen und vermitteln in Workshops auch bislang Unbedarften die Lust am Schreiben. Sarah Mall hat die KITeratur-Truppe rund um Vorsitzenden Jörg Hartmann getroffen und sich inspirieren lassen.

Fotos: Patrick Langer

 

Creative Writing in der Gruppe
Der spielerische Umgang mit Worten, immer neue Methoden des Creative Writing: Das wird bei den KITeratur-Treffen trainiert. Aus Übungen entstehen Kurzgeschichten, Gedichte, Szenen, die man gemeinsam konstruktiv kritisiert. Manchmal ergeben sich aus solchen Werken Literaturpartys, bei denen die Mitglieder ihre Texte vorstellen und dem Zuhörer einräumen, selbst kreativ zu werden.

Schreiben an ungewöhnlichen Orten
Jörg Hartmann promoviert am Institut für Literaturwissenschaft und leitete eine Lehrveranstaltung zum freien Schreiben. „Das kommt neben Prüfungen und Semesterarbeiten für die Uni oft zu kurz. So haben wir die Hochschulgruppe gegründet, um weiterhin regelmäßig quasi unter Gruppenzwang die Zeit zum Schreiben freizuhalten. Dann ist mehr draus geworden“, erinnert sich der KITeratur-Vorsitzende. Nun trifft sich die Gruppe meist alle zwei Wochen, nur zum Spaß – Organisatorisches wird an gesonderten Terminen besprochen. „Wir schreiben bei Pyjama-Partys, im Sommer auf der Wiese am AKK, im Gefängnis, auf dem Friedhof, auf dem Schiff. Für 2017 ist eine KITerad-Tour geplant.“

Am Anfang steht die Überwindung
Meist gibt es bei den Treffen ein softes Rahmenprogramm: Free Writing zu Beginn, 5 Minuten irgendwas schreiben zum Warmwerden: „Der erste Satz wird meistens eh kein Knüller, sich hinzusetzen und anzufangen ist das Wichtigste.“ Daraus ergeben sich Spiele oder Themenfelder, manchmal bereitet Jörg Hartmann etwas als Inspiration vor. Die Theorie zum Genre wird diskutiert, um einen Rahmen für die kreativen Ausschweifungen zu geben.

Kreativität fördern am KIT
KITeratur besteht seit etwa einem Jahr und hat um die 20 Mitglieder. Die Hochschulgruppe wird durch den AStA gefördert, von der Studierendenschaft erhält sie Unterstützung für Schreibprojekte wie das „Schreiben zu den 4 Elementen“: zwei Wochenenden am See in Ubstadt-Weiher. See, Sonne, Lagerfeuer, der Erde ganz nah, frische Luft, der Kreativität freien Lauf lassen.

 

Das Konzept zeigt Erfolg
Das gemeinsame Schreiben hilft, wie ein Mitglied der Hochschulgruppe berichtet: „Durch die Hochschulgruppe bin ich mittlerweile offener, traue mich schneller. Im Seminar zu szenischem Schreiben haben wir an einem Theaterstück gearbeitet – durch die Übung mit KITeratur ist die Schwelle gesunken, einfach mal loszuschreiben.“ Auch Jörg Hartmann kenn den Mehrwert der regelmäßigen Treffen: „Wir befinden uns in diesem Schreibfluss – da geht es viel schneller, dass mal eine Idee kommt und man Ergebnisse hat.“

Interaktive Lesungen und Theorie-Workshops
Neben den internen Treffen organisiert KITeratur verschiedene Veranstaltungen rund ums Schreiben und Lesen: Bei kreativen Lesungen wie „Geschichten aus 001 Nacht“ sind die Mitglieder der Hochschulgruppe verkleidet, das Publikum wird einbezogen und darf eigene Texte vortragen, die innerhalb einiger Minute entstanden sind. Natürlich alles freiwillig: „Wer möchte, darf vortragen, es wird aber niemand gezwungen – und je später der Abend, desto mutiger die Gäste.“ Außerdem gab es bereits einen Schreib-Workshop im ßpace in Zusammenarbeit mit dem Verein „Die Anstoß“, einen Gottesdienst in der Kleinen Stadtkirche Karlsruhe, bei dem Bibeltexte in die heutige Zeit übersetzt und per Beamer als Tweet an die Wand geworfen wurden. Im Rahmen des Projekts Moviefication in Zusammenarbeit mit der Kurbel entsteht gerade eine interaktive literarische App für Karlsruhe.

TatWort – KITeratur macht Krimi
Alle in der Gruppe arbeiten an unterschiedlichen Textformen: Romane, Kurzgeschichten, Gedichte. Kürzlich behandelte die KITeratur-Gemeinschaft etwa das Thema Krimi, damit kannten sich die meisten nicht aus. „Das macht die Hochschulgruppe aus – man setzt sich mit Genres auseinander, mit denen man sonst nicht arbeiten würde. Mal aus der Komfortzone auszubrechen hilft ja auch, sich zu finden.“ Daraus entstanden Lesungen im Rahmen der Kulturspätschicht wie „TatWort“ zum Creative Krimi Writing. Die Mitglieder der Hochschulgruppe dachten sich ein Setting aus und entwarfen Charaktere, die den Besuchern vorgetragen wurden. In Gruppen schrieben dann alle zusammen ihre Lösung des Krimis nieder. „Alle eingereichten Ergebnisse wurden auf unserer Webseite präsentiert, so konnte in Zusammenarbeit ein Krimi entstehen. Zu den Veranstaltungen druckt KITeratur Hefte mit den vorzutragenden Texten, die auf Spendenbasis verteilt werden.
Die nächste KITeratur-Aktion findet während der KaMuNa am 5.8.2017 statt unter dem Titel „Nachts im Museum“ statt. Im Netz findet ihr die Hochschulgruppe über die KITeratur-Webseite und auf facebook.

 

Montag, 31. Juli, 2017
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Sarah Mall

Geschrieben von: Sarah Mall
Sarah Mall hat zuerst Übersetzung, dann Kultur- und Medienwissenschaft studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin und Texterin in Karlsruhe.