CAMPUS, RAUSGESCHAUT

ROCK YOUR LIFE! – Gleiche Bildungschancen für alle

Viele Schüler haben noch keine Vorstellung davon, was sie später mit ihrem Leben anfangen möchten: Welcher Beruf ist der richtige für mich? Wo liegen meine Interessen und Stärken? Bei diesen Fragen steht den Jugendlichen das Team von ROCK YOUR LIFE! zur Seite: Ehrenamtlich begleiten studentische Mentoren Schüler aus sozial benachteiligten Verhältnissen über zwei Jahre hinweg bei der Suche nach ihrem Traumjob. Unsere Autorin Lena Scheuermann traf Julia Trächtler und Ole Pauer, die Vorsitzenden von RYL! Karlsruhe, zum Gespräch.

Fotos: Lydia Albrecht

 

 

ROCK YOUR LIFE! wurde 2008 deutschlandweit ins Leben gerufen, seit 2012 können sich auch Studierende des KIT als Mentoren engagieren. Das Mentoring-Angebot richtet sich besonders an Teenager, die momentan auf ihren Haupt- oder Werkrealschulabschluss hinarbeiten: „Der Verein wurde gegründet, weil es in Deutschland immer noch sehr stark vomsozialen Umfeld abhängt, welche Zukunft ein Schüler hat. Wir möchten besonders Schülern aus schwierigen oder sozial schwachen Umständen helfen, auf den richtigen Weg zu kommen“, erklärt Ole. Wie wertvoll es sein kann, Hilfe bei der Zukunftsplanung zu haben, hat Ole am eigenen Leib erfahren: Erst durch einen Tipp seiner Schwester habe er den richtigen Studiengang für sich entdeckt, erinnert er sich. Diese Erfahrung möchte er nun weitergeben und begleitet seit letztem Semester einen Schüler aus Karlsruhe bei dessen Weg ins Berufsleben.

Der Mentor als Ansprechpartner und Freund
Oftmals fehlt es den benachteiligten Jugendlichen zu Hause oder im Freundeskreis an Ansprechpartnern, die sie in punkto Lebensplanung, Bewerbung und Ausbildungssuche unterstützen können. Hier springen die Mentoren von RYL! ein und greifen den Schülern unter die Arme.
Zurzeit besteht das RYL! Team in Karlsruhe aus rund 20 aktiven Mitgliedern, von denen acht momentan eine Schülerpartnerschaft übernommen haben. Das RYL! Team achtet auf Kompatibilität: „Wir legen sehr viel Wert darauf, dass es von der Persönlichkeit zwischen Schüler und Studierendem passt“, bekräftigt Julia, die im Orga-Team von RYL! tätig ist. Das Mentoring solle schließlich keine Nachhilfe, „sondern im Idealfall eher wie eine Freundschaft sein“, meint auch Ole.

Gemeinsames Training und erste Ideenfindung
Insgesamt dauert eine Mentorenbeziehung zwei Jahre, wobei im ersten Jahr die Kennenlernphase im Vordergrund steht. Innerhalb des ersten Jahres absolvieren die Mentoren und ihre Mentees zudem drei gemeinsame Trainings, die sie auf ihre gemeinsame Zeit vorbereiten. Regelmäßige Treffen zwischen Schülern und Studierenden stehen ebenfalls auf dem Programm. Im zweiten Abschnitt macht sich das Tandem gemeinsam Gedanken, wohin die berufliche Reise der Schüler gehen soll.

 

 

Ole Pauer , (re.,1. Vorsitzender) und Julia Trächtler( 2.Vorsitzende) im Interview

 

 

Die Interessen und Stärken des Schülers stehen im Mittelpunkt
Bei der Berufsfindung stehen die individuellen Wünsche, die Stärken und das Wohlbefinden der Schüler immer im Vordergrund. „Wir sind nur eine helfende Hand, kein Wegweiser. Wir sagen nicht unbedingt, was der Schüler machen soll oder was vielleicht passen würde, sondern versuchen, ihn selbst darauf kommen zu lassen“, erklärt Ole die Philosophie von RYL!. Im Idealfall können die Mentoren ihre Schüler auf diese Weise beim erfolgreichen Übergang in den Beruf oder auf eine weiterführende Schule unterstützen.

Das Orga-Team als treibende Kraft
Damit das Mentoring reibungslos verlaufen kann, muss im Hintergrund einiges organisiert und koordiniert werden. Dafür sind Ole, Julia und die anderen Mitglieder im Orga-Team zuständig: Sie kümmern sich darum, „dass Mentorenbeziehungen gut laufen und es plötzlich nicht an Motivation oder Kommunikation abfällt“, so Ole. „Zusätzlich kooperieren wir mit Unternehmen, die den Schülern praktische Einblicke in die Berufswelt ermöglichen“, ergänzt Julia.

Die Schüler sind begeistert
Am wichtigsten ist den Mentoren, dass die Schüler in diesen zwei Jahren am Ball bleiben: „Am Anfang sind sie noch sehr motiviert, das lässt dann manchmal ein bisschen nach. Durch Sommerfeste und Weihnachtsfeiern pushen wir die Motivation dann wieder“, erläutert Julia. Wenn die Schüler sich für das Projekt begeistern konnten, stehen die Chancen gut, dass aus der Mentorenbeziehung eine Erfolgsstory wird: Viele der ehemaligen Mentees streben mittlerweile einen höheren Bildungsabschluss an oder haben ihren Traum-Ausbildungsplatz bereits gefunden. Möglicherweise wäre der Lebensweg auch ohne die Mentoren zustande gekommen, so Ole, „aber man weiß es eben nicht, vielleicht lag es ja auch nur an uns.“

Weitere Informationen findet ihr hier.

Montag, 4. Dezember, 2017
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Lena Scheuermann

Geschrieben von: Lena Scheuermann
Lena Scheuermann studiert Germanistik und Medientheorie/-praxis am KIT und arbeitet als Autorin für ClicKIT.