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ProRef: Programmierkurse für Flüchtlinge

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Der Verein EduRef bietet niederschwellige Bildung von Studierenden für Geflüchtete und wurde dafür preisgekrönt. Jetzt wollen die Macher ihr Programm erweitern. Nina Setzler sprach mit den Koordinatoren.

Text: Nina Setzler
Fotos: Manuel Balzer

 

 

Studentische Tutoren betreuen die Flüchtlinge
Unter dem Dach des Vereins EduRef (abgeleitet aus: Education for Refugees) entstand das Bildungsprojekt ProRef im Sommer 2015, als sich einige Übungsleiter des KIT überlegten, wie sie sich für Flüchtlinge engagieren könnten. Um die Idee zu den Kursen umzusetzen, holten sie studentische Tutoren mit an Bord. Einer davon war Lars Eckmann, der im sechsten Bachelorsemester Wirtschaftsingenieurwesen studiert. „Die Unterrichtsmaterialien fürs Programmieren hatten wir sowieso schon, also war es das, was wir weitergeben wollten“, sagt Lars Eckmann. Ein Kurs dauert vier Wochen und behandelt die Basics der Programmiersprache Java. „Sie wird heute an vielen Unis gelehrt. Manche Teilnehmer melden sich aber leider mit falschen Vorstellungen bei uns an – wir programmieren hier keine Websites“, erklärt der Co-Gründer von EduRef.
Gleich der erste ProRef-Kurs – die Abkürzung bedeutet „Programming for Refugees“ – kam sehr gut an, seither fanden schon acht weitere Programmierkurse statt. Mittlerweile gibt es eine Warteliste. „Anfangs haben wir die Kurse auf Englisch gehalten. Viele Flüchtlinge sind jetzt aber schon eine Weile hier und sprechen zum Teil besser Deutsch als Englisch, deshalb überarbeiten wir gerade alle Folien“, sagt Lars Eckmann.

 

Unterschiedliche Wissensstände
Die Heterogenität in den Kursen ist hoch, sodass der Lehrplan variabel sein muss – manche Teilnehmer können sehr gut programmieren, andere sehen zum ersten Mal in ihrem Leben eine Maus. Da aber meist mehrere Übungsleiter vor Ort sind, teilen sie sich entsprechend auf. „Wir gestalten unsere Kurse interaktiv mit wenig Theorie und viel Praxis. Nach regelmäßiger Teilnahme gibt es ein Zertifikat, das potenziellen Arbeitgebern zeigt, dass die Flüchtlinge sich einbringen. Es ist wichtig, den Leuten eine Perspektive zu geben und das Gefühl, etwas tun zu können, wenn sie den ganzen Tag in Flüchtlingsunterkünften sitzen.“

 

 

Weitere Kurse sind in Planung
130 Teilnehmer haben bisher einen ProRef-Programmierkurs besucht, die Studienstiftung des deutschen Volkes zeichnete das Projekt mit dem Starterpreis aus. „Die ProRef-Kurse haben gezeigt, dass unser Konzept funktioniert, jetzt wollen wir mit der Struktur von EduRef den nächsten Schritt machen, und auch Kurse aus anderen Bereichen anbieten. Das kann ein Excelkurs sein oder ein Geschichtskurs. Er muss gar kein akademisches Thema behandeln, auch ein Kochkurs oder ähnliches ist möglich“, sagt Lars Eckmann. Schließlich könne jeder irgendetwas weitergeben, man müsse nur die Zeit dafür aufbringen. Er selbst investiert neben Studium und Job etwa zehn Stunden pro Woche, um Kurse zu planen oder an der Facebook-Seite von EduRef zu bauen.
Manchmal ist es stressig, aber rund 30 aktive Ehrenamtler betreiben EduRef mit viel Herzblut: „Der direkte Austausch mit den Menschen gibt dem Ganzen ein Gesicht, es sind nicht mehr ‚die Flüchtlinge’, sondern man kennt die Einzelschicksale und kriegt viel aus ihrem Alltag mit.“ Es sei schön zu sehen, wie die Teilnehmer in Sachen Sprache und Integration vorankommen und Praktika bei großen Firmen machen. Momentan besteht noch große Nachfrage nach Flüchtlingskursen, doch irgendwann, so hofft man bei EduRef, sollte die Integration so erfolgreich verlaufen, dass die Geflüchteten ihren Interessen zum Beispiel beim Chaos Computer Club oder bei der VHS nachgehen, sodass es Bildungsangebote speziell für Flüchtlinge gar nicht mehr braucht.

Weitere Infos auf der Facebook-Seite von EduRef.

 

Montag, 6. November, 2017
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Geschrieben von: Gastautor