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Plastikmüllbekämpfung to go: Der Mixcuit

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Wer kennt es nicht? Man hat es eilig, kauft sich schnell einen Coffee to go – und um den Zucker und die Milch zu verrühren, wird noch das obligatorische Plastikrührstäbchen mitgenommen und auf dem Weg entsorgt. Doch dass genau diese Stäbchen laut der World Ocean Review auf Platz 9 der häufigsten Müllteile im Meer stehen, wissen wohl die wenigsten. Dieses Problem nahm das sechsköpfige Mixcuit-Team in Angriff und entwickelte eine Alternative zu den Plastikrührstäbchen. Saskia Bälz hat mit ihnen über ihr Produkt gesprochen.

Fotos: Lena Wössner

 

Sarah Stoltz, Svenja Strauß, Nevena Nikolajevic, Lisa Kagerbauer, Martin Maertens und David Griljalva sind das Team hinter Mixcuit, der Alternative zu Plastikrührstäbchen. Mixcuit ist ein kakaohaltiges Rührstäbchen aus einem spekulatiusartigen, dünnen Teig. Es ist innen hohl und mit 40 Gramm Zucker gefüllt – genau so viel, wie sich in einer gewöhnlichen Zuckertüte befindet. Verschlossen ist das Rührstäbchen mit einem Schokodeckel. Einfach abbeißen oder abbrechen, Zucker in den Kaffee und direkt mit dem Röhrchen umrühren. „Der Mixcuit wird beim Umrühren etwas weicher, aber bricht oder bröselt nicht wie andere Kekse“, hebt Sarah die Vorteile des Teigröllchens hervor.

Die Idee: Innovativ und ökologisch sollte es sein
Designt hat die sechsköpfige Gruppe ihren Mixcuit für Trophelia, einen Ideenwettbewerb des Forschungskreises der Ernährungsindustrie e.V. Bonn. Das Team vereint viel verschiedenes Know-How: Chemieingenieurwesen, Bioingenieurwesen und Wirtschaftsingenieurwesen. Als Gruppe fanden sie schnell zusammen, nur die Idee für den Wettbewerb fehlte noch.„Es ist schwierig, was zu finden, was es noch nicht gibt – zudem sollte es diesen ökologischen Aspekt beinhalten“, erläutert Sarah. Svenja ergänzt: „Wir sind durch den Supermarkt gelaufen und haben geschaut, was es überhaupt gibt. Was uns an den bestehenden Produkten fehlt oder stört.“

Auch die Vorgabe, innerhalb von zwei Monaten eine fertig ausgereifte Idee für den Wettbewerb zu haben, setzte die Studenten anfangs unter Druck. Nach einiger Zeit einigten sich die sechs Studierenden auf ihren Rührstäbchenersatz. „Der Mixcuit beinhaltet zwei ökologische Komponenten: Zum einen die Abfallreduktion, indem wir das Plastikstäbchen und Zuckertütchen einsparen und zum anderen die Verwendung von Kakaoschalen, denn die Kakaoschalen werden normalerweise für Tierfutter oder ähnliches verwendet, aber nicht zur Lebensmittelproduktion, obwohl man sie eigentlich verwenden könnte“, erklärt Lisa.Auf die essbaren Kakaoschalen kamen die Studierenden durch ein anderes Projekt am KIT. Zudem müssen die Mixcuits nicht verpackt werden, sondern lassen sich in einem eigens designten Edelstahlspender lagern, somit wird auch hier Müll eingespart.

Nicht nur die Produktfindung gestaltete sich schwierig, auch die Namensfindung stellte sich als kleine Herausforderung heraus: „Der Name Mixcuit ist eine Mischung aus Mixen und Biscuit. Die Idee kam mir mal morgens am Frühstückstisch, davor konnten wir uns nicht so schnell einigen“ lacht Svenja.

 

 

Die Produktion: Backmarathon vor dem Wettbewerb
Ende November vergangenen Jahres begann dann schließlich die Produktion des Mixcuits. Auch die Backformen mussten von dem Team erstmal angefertigt werden, wie Svenja erklärt: „Das sind Formen aus Edelstahl, die innen hohl sind. Der Stab wird so reingelegt, dass eine Seite offen und die andere zu ist.“ In diesen Förmchen wird der Teig etwa 20 Min gebacken. Bis ein Mixcuit-Röllchen komplett fertig ist, dauert es rund 45 Minuten. Dann muss das Röllchen erst einmal abkühlen, anschließend mit Zucker befüllt und schließlich in die Schokolade getunkt werden, um die offene Seite des Röllchens zu verschließen.

Die Gruppe hat insgesamt zwölf Förmchen hergestellt, das Backen gestaltete sich also als sehr zeitaufwändig. Für den Wettbewerb backten sie an drei Tagen jeweils sechs Stunden und stellten mehrere hundert Stäbchen her.

Nachdem das Rezept und der Name standen und die ersten Mixcuits gebacken waren, wurden die Stäbchen verkostet: 55 Probanden testeten die Röllchen. Die Mühe hat sich gelohnt – die Tester, übrigens alles Studierende am KIT, waren begeistert. Geschmacklich wurden die Mixcuit-Röllchen alsschokoladig, aber nicht allzu süßbeschrieben, neutral genug, um den Kaffee-Geschmack nicht zu verfälschen.

 

Der Wettbewerb: Durchschlagender Erfolg
Die Idee der sechs Studierenden kam so gut an, dass selbst Karlsruher Cafés schon Interesse an ihrem Produkt zeigten. Sogar von „Das Fest“ kam die Anfrage, die Mixcuit-Röllchen beim Festival vorzustellen – was allerdings aus logistischen Gründen nicht klappte, denn das MixcuitTeam hatte nicht die Kapazitäten, um Süßungsstäbchen in der benötigten Menge herzustellen.

Dennoch, das Produkt kam in der Branche sehr gut an. Kein Wunder, dass auch die Trophelia-Jury gänzlich überzeugt war – das ‚Mixcuit‘-Team holte den 1. Platz. „Was die Jury total erstaunt hat, war die Ersetzung der Plastikstäbchen, aber auch der zusätzliche Nachhaltigkeitsaspekt, dass wir die Kakaoschalen verwendet haben“, freut sich Sarah. „Zudem hatten wir potenzielle Partner mit an Bord, das kam natürlich sehr gut an. Es war außerdem von Vorteil, dass letztes Jahr auch eine KIT-Gruppe gewonnen hatte. Dadurch wussten wir, worauf es ankommt und wie man sich von anderen abheben könnte“, ergänzt Lisa.

Der Gewinn sicherte der Gruppe nicht nur ein Preisgeld, sondern auch die Chance, beim europaweiten Ecotrophelia-Wettbewerb in London im November 2017 teilzunehmen. Bei diesem Wettbewerb nehmen ca. 16 Gruppen aus verschiedenen europäischen Ländern teil und stellen ihre Produkte vor. Bis dahin gibt es aber noch viel zu tun: „Einige von uns sind im Auslandssemester, das erfordert jetzt viel Planung, wer wann was macht. Die Präsentation muss überarbeitet werden, das Produkt wird noch vegan und das Dossier muss auf Englisch geschrieben werden. Es gibt einiges zu tun“, fasst Sarah zusammen.

 

 

Der Zukunftsplan: Partner gesucht!
Und wie sieht es nach dem Wettbewerb in London aus? Lisa resümiert: „Nach dem Trophelia-Wettbewerb in Bonn war jeder euphorisch, weiterzumachen – allerdings ist es nicht so einfach, in der Lebensmittelbranche Fuß zu fassen mit den Mitteln, die wir momentan haben. Deshalb bräuchten wir einen Partner.“ Und damit sind nicht nur Geldgeber gemeint, sondern auch Industriepartner, um eine größere Produktion zu ermöglichen. „Oberste Priorität ist erstmal London, aber das Projekt ist danach nicht gestorben. Es besteht ja große Nachfrage: Allen Leuten, denen man von unserem Mixcuit erzählt, sind total begeistert. Ich kenne niemanden, der sich nicht dafür interessiert oder negativ reagiert“, fügt Svenja hinzu. Die clickIT-Redaktion drückt auf jeden Fall die Daumen, wir sind gespannt, wie sich das Projekt weiter entwickelt!

 

Ein kleines Video mit dem Mixcuit in Aktion findet Ihr auf unserem Instagram-Kanal.

Montag, 2. Oktober, 2017
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Saskia Bälz

Geschrieben von: Saskia Bälz
Saskia Bälz studiert Germanistik und Medientheorie und -praxis am KIT. Seit Oktober 2016 arbeitet sie bei clicKIT mit.