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Nightline: „In erster Linie ein Zuhörertelefon“

„Willkommen bei der Nightline Karlsruhe. Was liegt dir auf dem Herzen?“ Die Hochschulgruppe Nightline Karlsruhe organisiert einen telefonischen Kummerkasten für Studierende.

Text: Johannes Wagner
Foto: Andreas Drollinger, KIT

Es ist eine freundliche und offene Ansprache, die einen unter 0721 75406646 erwartet. Schließlich geht’s den Anrufern in der Regel um persönliche Themen wie Beziehungsstress, Probleme mit den Eltern, das Alleinsein in diesen Zeiten oder auch um Prüfungsangst. „Wir sind offen für alle Sorgen und Nöte der Studierenden, hören zu“, erläutert Lisa (Name geändert), eine der Ansprechpartnerinnen der Nightline, einer Hochschulgruppe am KIT. „Besonders auch in Corona-Zeiten!“

Corona ist auch ein Thema

Am Telefon sind die Ehrenamtlichen in Karlsruhe aktuell sonntagabends von 21 bis 24 Uhr zu erreichen, Hilfesuchende können dabei anonym mit jemandem sprechen und Probleme thematisieren. Bei den Anruferinnen und Anrufern stehen überwiegend persönliche Sorgen im Fokus, nicht wie zu erwarten Studienthemen, auch wenn dies durch Corona spürbar zugenommen habe. „Da geht’s jetzt unter anderem auch um praktische Fragen, ob man sich von einer Prüfung abmelden soll oder um die Maximalstudiendauer. Es ist aber nicht untypisch, dass Anrufer auch mehrere Themen ansprechen. „Wir nehmen uns gerne die Zeit“, so Lisa – und betont die Anonymität des telefonischen Kummerkastens: „Das ist sehr wichtig, denn wir sind da, wenn jemand sich mitteilen möchte. Wir sind ja ein Zuhörertelefon.“ Ganz wichtig sei das Zuhören in diesen Zeiten, in denen sich soziale Kontakte zu einem Großteil im virtuellen Raum abspielen. „Das merken wir bei den Anrufen“, schildert Lisa: „Auch die Themen Angst und Einsamkeit haben in der letzten Zeit eine deutlich größere Bedeutung gewonnen.“

Neben dem Zuhören wären Empathie und Wertschätzung wichtig, die Studierenden befänden sich in vielfältigen Lebenslagen. Dafür werden die Zuhörer auch in der personenzentrierten Gesprächsführung nach Carl Rogers geschult. Jedes Gespräch wird dadurch zu einer Art Hilfe zur Selbsthilfe. Deshalb sei es wichtig, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, in der dann anonym erzählt werden kann. Allerdings handle es sich nicht um eine professionelle Seelsorge und auch keine Therapie – so gibt es etwa keine konkreten Tipps oder Lösungen.

Engagierte Studierende aus allen Fachrichtungen

Stets zu zweit machen die Studierenden ihren „ehrenamtlichen Dienst“, immer ein weiblicher und ein männlicher Zuhörer. Rund 25 Studierende engagieren sich für die Nightline, zehn bis 15 sind dabei meist aktiv aufgrund der eigenen Studienabläufe. „Anrufer sprechen so mit Mitstudierenden“, erzählt Lisa. „Aber der Inhalt der Gespräche bleibt unter uns.“ Dass es aber immer zwei Zuhörer sind, hat durchaus auch einen praktischen Hintergrund, denn auch die Zuhörer müssen manche der gehörten Probleme auch selber mal abfedern können.

Weitere Infos:

Erreichbar ist die Nightline unter 0721 75406646 oder
www.nightline-karlsruhe.de


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Geschrieben von: Denis Elbl