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Nightline – Das Zuhörtelefon von Studenten für Studenten

Liebeskummer, Prüfungsstress, Probleme im Studium oder zu Hause – die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Karlsruher Nightline haben für alle Sorgen und Nöte ein offenes Ohr. Die Nightline ist ein Zuhörertelefon von Studierenden für Studierende. Hilfesuchende können anonym mit jemandem sprechen und sich die Probleme von der Seele reden. Unsere Autorin Lena Scheuermann traf zwei der ehrenamtlichen Mitarbeiter zum Gespräch.

Studierenden einen Ansprechpartner bei ihren Problemen und Nöten zu bieten, wenn alle anderen Anlaufstellen bereits geschlossen sind oder Freunde und Familie schon schlafen – das ist die Kernidee hinter der Nightline. Bei vielen psychologischen Anlaufstellen muss man sehr lange auf einen Termin warten – die Nightline ist um einiges spontaner und leichter zu erreichen. Mittlerweile kann man sich sogar über die Website der Karlsruher Nightline einfach online für ein Gespräch anmelden. Dort erfahren Anrufer auch, wann die „Nightliner“ wieder erreichbar sind und können anonym den Telefondienst anfordern.

Anonyme Seelsorge für Studierende
„Wir bieten Studierenden an, anonym mit jemandem zu reden“, erklärt Mechatronik-Student Tobias, der seit knapp einem Jahr bei der Karlsruher Nightline dabei ist. Dabei steht vor allem das aktive und vorurteilsfreie Zuhören im Vordergrund. „Wir urteilen nicht, wir sind einfach da“, sagt Laura, die Physik studiert und seit vier Jahren ehrenamtlich bei dem Projekt dabei ist. Bereits seit 2010 ist die Hochschulgruppe am KIT aktiv.

Aktives Zuhören statt pauschalisierter Ratschläge
Im Vorfeld erhalten alle ehrenamtlichen Mitarbeiter eine psychologische Schulung, um professionell mit den Belangen der Anrufer umgehen zu können. Dass die „Nightliner“ allerdings in erster Linie Studierende und keine professionellen Seelsorger sind, betonen die Freiwilligen nachdrücklich: „Wir therapieren nicht am Telefon, wir haben keine therapeutische Ausbildung und sind dazu auch gar nicht in der Lage“, so Laura. Auch wer sich konkrete Ratschläge oder Lösungsvorschläge erhofft, ist bei der Nightline an der falschen Adresse.

Bei den Nightlines geht es in erster Linie darum, dass sich die Anrufer ihre Probleme von der Seele reden können. Durch gezieltes Nachfragen soll dem Problem auf den Grund gegangen werden. „Schlauer als vorher sind die meisten aber schon, vieles wird einem ja auch erst richtig bewusst, wenn man es mal ausgesprochen hat“, findet Laura. Nicht nur die Anrufe bleiben anonym, auch die Identität der „Nightliner“ wird während des Gesprächs nicht preisgegeben.


Nightlines in immer mehr deutschen Städten

Ursprünglich stammt die Idee der studentischen Nightlines aus Großbritannien, mittlerweile werden sie auch in Deutschland immer populärer: Neben dem KIT bieten unter anderem die Hochschulen in Heidelberg, Münster oder Tübingen Nightlines an, die mehrmals die Woche oder sogar täglich erreichbar sind.

Skype-Hilfe für Prokrastinierer
Das Zuhörertelefon ist allerdings nicht das einzige Angebot der Karlsruher „Nightliner“, auch die sogenannte „Antikrastinations-Konferenz“ und die Aktion „Teile, was dich beschäftigt“ sind Teil des Programms. Die „Antikrastinations-Konferenz“ richtet sich laut Laura an Studierende mit Motivationsproblemen, „die lieber Serien schauen anstatt zu lernen“. In regelmäßig stattfindenden Skype-Konferenzen tauschen sich die Studierenden über ihre jeweiligen Lernfortschritte aus, um sich gegenseitig zu motivieren.

Die Aktion „Teile, was dich beschäftigt“ folgt dem gleichen Prinzip wie das Zuhörertelefon: Studierende können ihre Gedanken und Probleme auf kleinen Kärtchen festhalten, die im Anschluss anonym veröffentlicht werden. Dabei geht es den Verantwortlichen vor allem darum, zu zeigen, dass die Leute mit ihren Problemen und Gedanken nicht alleine sind.

„Man sieht den Leuten ihre Probleme nicht an. Sie laufen lächelnd durch die Welt, aber was sie innerlich mit sich herumschleppen, sieht man gar nicht“, so Laura. Besonders motivierend an der Arbeit bei der Nightline findet sie, dass man „das Gefühl hat, etwas Sinnvolles zu tun und zu helfen.“ Laura und Tobias sind sich einig: „Bei uns kann man nicht die Welt retten, aber vielleicht die Welt eines Einzelnen etwas besser machen.“

Montag, 30. Oktober, 2017
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Lena Scheuermann

Geschrieben von: Lena Scheuermann
Lena Scheuermann studiert Germanistik und Medientheorie/-praxis am KIT und arbeitet als Autorin für ClicKIT.