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Musicals am KIT: Drei Theatergruppen machen gemeinsame Sache

„Studieren die etwa Musik und Tanz?“, fragte sich manch ein Zuschauer bei den Vorstellungen der Triater-Produktion „Cats“. Die drei Theatergruppen GeistSoz-Theater, Physikertheater und UniTheater am KIT zeigten zusammen ihre bisher größte Produktion – und waren am Ende sogar ein bisschen von sich selbst überrascht. Nina Setzler war dabei.

Text: Nina Setzler
Fotos: Manuel Balzer

 

„Das Ergebnis fiel besser aus, als wir es uns vorgestellt hatten“, lacht Alexandra Krämer, die sich um die Öffentlichkeitsarbeit der Theatergruppe kümmert. Alle in dem rund 50-köpfigen Team hätten sich in den anderthalb Jahren weiterentwickelt, die es gedauert hatte, das Groß-Projekt zu stemmen. „Es war ein intensives Projekt, wir sind als Gemeinschaft eng zusammengewachsen. Besonders der Monat vor der Premiere war stressig, wir hatten zwei Generalproben und vier Hauptproben hintereinander, an denen wir von 10 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts probten.“ Für manche Studenten, war das extrem stressig, weil es in die Klausuren-Phase fiel. „Einige waren dann wohl sogar froh, als es vorbei war“, sagt Alexandra. Aber zwei Studenten des Ensembles spielten seither auch mit dem Gedanken, sich als Musical-Darsteller zu bewerben. „Die waren ziemlich fasziniert, dass sie zu so etwas überhaupt in der Lage sind“, erzählt Alexandra Krämer, die in der Produktion sowohl als Saxofonistin wie auch als Tänzerin mitwirkte. Im Festsaal des Studentenhauses türmten Christiane Thanisch, Kay Messerschmidt, Melanie Parzenczewski und Eva Maria Rensch (Bühne) aus alten Lattenrosten, Fahrradreifen und sonstigem Sperrmüll eine gigantische Müllkippe auf, über die die wilde Katzenschar zwei Stunden lang hin und her fegt.

Tolle Bilder entstanden, wenn sich das kreative Durcheinander in eine Schiffsbar verwandelt, die Katzen beim „Jellicle Ball“ Formation tanzten oder mit Eisenbahn-Kater Skimble als Lindwurm hinter einer skizzierten Lok herschlängelten. Die von Jannis Wulle und Greta Heine choreografierten Tanzeinlagen boten bei den Paar- und Massenszenen viele Hingucker, sogar Vertikaltuch-Artistik von Laurina Xanthopoulos (alias Tantomile) durfte bestaunt werden. Schepperndes Blech, bedrohlich rotes Licht und schaurige Synthies beim Auftritt von Macavity (Jannis Wulle), dem „Bösewicht mit Ambition“, den Demeter (Tanya Gonser) und Bombalurina (Lena Wachter) in ihrem bejubelten lasziven Auftritt besungen. In einer rasanten Kampfszene entführte er Katzenoberhaupt Alt Deuteronimus (Stefan Brüstle, dank Felljacke und Perücke ulkige Ähnlichkeit mit Cindy aus Marzahn), der erst durch Abrakadabra-Kater Mistoffelees (Nicholas Heyd-Hansen) wieder zurückgezaubert werden konnte.

 

 

 

Auch die Vorstellung der exzentrischen Katzen-Crew barg viele ironische Momente: Jenny Fleckenreich (Jessica Lebherz) dirigierte ihre Kakerlaken etwas steif, damit ihr mobiles Podest nicht zu sehr wankte. Der mächtige Kater Rumpum (Immanuel Janicki) rollte dagegen informell mit dem Skateboard ins Bild. Die Texte von Michael Kunze sprachen Katzenkennern und -hassern gleichermaßen aus der Seele („Der Rum Tum Tugger ist ein schwieriges Tier/Will auf der anderen Seite von jeder Tür sein“). Das Uni-Musical begeisterte mit sämtlichen in der Stadt verfügbaren Leo-Prints und stimmlichen Könnern wie Gesangsleiter Yuguang Lin (alias Bustopher Jones). Die Band, dirigiert von Moritz Machatschek, spielte Webbers stilistische Bandbreite gekonnt aus, vom sentimentalen Schmalz-Song über Revuenummern bis hin zu Gute-Laune-Pop. Das Publikum war danach mindestens so glücklich wie die Darsteller, eine Zuschauerin raunte: „Ich hätte nicht gedacht, dass es so professionell wird!“

Der Erfolg ihrer Auftritte hat die Mannschaft bestärkt, so etwas noch mal zu machen, erklärt, Alexandra Krämer aber diesmal mit anderem Team. „Wir müssten die Organisation dann auf mehreren Schultern verteilen, es ist doch sehr zeitintensiv, alle Mitwirkenden für Proben zusammenzukriegen, das hatten wir unterschätzt. Auch Produktion, Regie und Finanzen sollte man künftig auf mindestens zwei Verantwortliche verteilen.“

Allerdings wird dem Triater künftig die Erfahrung aus „Cats“ zugutekommen, denn wie man an finanzielle Unterstützung für derlei Produktionen kommt, haben sie akribisch dokumentiert. „Das nächste Projekt wird mit Musik, Tanz und Gesang wieder über Theater hinausgehen“, so Alexandra. Das Wort ‚Dreigroschenoper‘ sei gefallen, spruchreif sei jedoch noch nichts. Wir warten gespannt, was als nächstes kommt!

Montag, 24. Juli, 2017
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Geschrieben von: Gastautor
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