ARBEITSWELT, GESICHTER

Mikroskop für die Hosentasche

Pflanzenzellen, Bakterien oder Flüssigproben: Mikroskopieren fasziniert seit jeher Schülerinnen und Schüler im Biologieunterricht. Ein neues Mikroskop ermöglicht nun auch das Erforschen kleiner Lebenswelten in den eigenen vier Wänden. Jonas Otten, Alumnus des KIT, ist der erste Händler, der in Europa sogenannte Faltmikroskope anbietet. Sie sind nicht nur günstig und robust, sondern passen auch in jede Hosentasche.

Foto: Jonas Otten
Text: Aileen Seebauer


Bisher war das Mikroskopieren meist nur in der Schule möglich, da die dafür genutzten Lichtmikroskope teuer, unhandlich und empfindlich sind. Zusätzlich müssen sich mehrere Nutzerinnen und Nutzer oft ein Gerät teilen. Diese Probleme soll nun das Faltmikroskop lösen: Aufgedruckt auf einem speziellen Papier lassen sich einzelne Teile herauslösen und zusammenbauen. „So hat man in wenigen Minuten ein voll funktionsfähiges Mikroskop“, sagt Otten.

Das Foldscope, wie es auf Englisch heißt, wurde ursprünglich in den USA entwickelt und wird dort, sowie in Indien und Vietnam bereits erfolgreich eingesetzt. Weil es noch keinen Händler in Europa gab, gründete Otten im Juli 2019 das Start-up „jot:entdecken“, mit dem er als vom Hersteller autorisierter Partner nun Faltmikroskope im europäischen Raum vertreibt. Das ungewöhnliche Mikroskop wurde so konzipiert, dass es mit einer 140-fachen Vergrößerung und einer Auflösung von zwei Mikrometern mit einem herkömmlichen Lichtmikroskop mithalten kann. „In der Mitte befindet sich eine Glasperle, die durch ihre Größe und Krümmung einer verbesserten Lupe gleicht“, erläutert der studierte Elektro- und Informationstechniker. Das Papiermikroskop ist nur einen Zentimeter dick und passt so in jeden Standard-Briefumschlag oder in jede Hosentasche. Mit einem Preis von fünf Euro pro Stück ist es auch für das kleine Budget erschwinglich. „Der Hauptvorteil ist, dass Schülerinnen und Schüler ihr eigenes Mikroskop bauen, das sie mit nach Hause nehmen können“, sagt Otten. Zum Einsatz könnten die Mikroskope vor allem im Schulunterricht und in Krankenhäusern kommen: im Kampf gegen Langeweile von Kindern und Jugendlichen. Otten bietet auch Seminare für Lehramtsanwärterinnen und -anwärter an und leitet als Dozent an der Junior Uni in Wuppertal  Kurse zum Faltmikroskop. Ziel sei, das Interesse für Naturwissenschaften bereits im frühen Alter zu wecken. „Die Neugier auf die Wissenschaften hat mich bisher immer begleitet. Das würde ich gerne weitergeben“, betont der Alumnus des KIT.

Montag, 23. März, 2020
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