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Lernen durch Helfen – Studierende bauen in Uganda für eine Schule

Es ist Dienstagabend, kurz vor 19 Uhr am KIT. Im Architekturgebäude füllt sich der Egon-Eiermann-Hörsaal, bis schließlich alle 154 Plätze besetzt sind – selbst die Treppen links und rechts der Stuhlreihen sind belegt. Überall sieht man das Logo der Veranstalter auf Shirts und Pullovern: Viele Mitglieder der Hochschulgruppe des KIT „Engineers Without Borders“ (EWB) sind gekommen, um ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen zu unterstützen, die von einem Projekt in Uganda erzählen.

Fotos: EWB, Cynthia Ruf
Text: Lena Hofmann

 

 

Iyolwa – Water & Sanitation heißt das Projekt, mit dem EWB ein Schulzentrum unterstützt. Iyolwa ist ein kleiner Ort, knapp 200 Kilometer von der Hauptstadt Kampala entfernt. Dort hat EWB seit 2015 einen Sanitärkomplex gebaut und mehrere Anlagen installiert, um die 800 Schülerinnen und Schüler mit sauberem Wasser zu versorgen.

 

  • Abschlusspräsentation des EWB-Projektes in Uganda „Iyolwa – Water & Sanitation“

 


Toiletten statt Latrinen
Das erste Projekt vor Ort waren Trockentrenntoiletten für das Mädcheninternat der Schule. Dieses Konzept funktioniert anders als Toiletten mit Wasserspülung und wurde eingesetzt, da Wasser als Ressource dort zu wertvoll ist, um es den Abfluss hinunterzuspülen. Stattdessen werden Urin und Fäkalien durch eine spezielle Auffangschüssel getrennt: „Da im Urin kaum Schadstoffe enthalten sind, wird dieser direkt in eine Sickergrube abgeleitet. Die keimbelasteten Fäkalien hingegen werden in Plastikeimern aufgefangen und getrocknet“, erläutert Andreas Netsch, Projektvorstand bei EWB, das Prinzip. Die Hygienestandards dieses Konzepts sind gut, da Keime durch die Trocknung absterben. So wird verhindert, dass Krankheitserreger ins Grundwasser gelangen, wie es bei den sonst landestypischen Latrinen der Fall ist. Neben Toiletten haben die Studierenden auch Waschbecken und Duschkabinen gebaut, die aus Regenwassertanks gespeist werden.


Muskelkraft statt Strom
Zu Beginn des Projekts konnten die jungen Ingenieurinnen und Ingenieure kaum glauben, dass innerhalb weniger Jahren ein Schulzentrum auf dem Gelände stehen würde: „Als das erste Team der EWB nach Iyolwa kam, sahen sie nichts weiter als eine grüne Wiese und ein paar Ziegen“, erzählt Sandra Haas, Projektleitung bei EWB. „Unser Projektpartner vor Ort stand auf dieser Wiese und erklärte uns, wo einmal welches Gebäude stehen sollte – es war anfangs schwer, sich das überhaupt vorzustellen.“ Das Leben und die Arbeit vor Ort unterschieden sich maßgeblich von dem, was die Studierenden in der Heimat an Standards gewöhnt waren. So gab es im ersten Jahr weder Strom noch Maschinen auf der Baustelle – egal ob es darum ging, Erde auszuheben oder Beton anzumischen, alles musste von Hand erledigt werden.

 

Hört hier das Interview mit Sandra Haas, Projektleitung, und Andreas Netsch, Projektvorstand, über die Situation vor Ort.

 

Die nachfolgenden Projekte profitierten von den Erfahrungen des ersten Teams: Die Lehmsteine für den Bau des ersten Gebäudes waren oft brüchig gewesen und benötigten viel Holz in der Produktion. Deshalb investierte EWB für die weiteren Projekte in den Kauf einer Maschine, die hochwertigere Steine herstellte und umweltschonender arbeitete. Mit diesen Steinen baute EWB weiter: Im zweiten Projekt errichteten die Studierenden ein Technikgebäude und eine oberirdische Regenwasserzisterne mit Wasseraufbereitungsanlage. Für das dritte Projekt bauten sie zwei unterirdische Zisternen, die insgesamt 80.000 Liter Wasser fassen und die Schule mit frischem Wasser versorgen. Außerdem wurde eine weitere Wasseraufbereitungsanlage installiert und ein Hochtank errichtet.

 

Die Crew – erschöpft aber zufrieden.

 

Low-Tech statt High-Tech
Um das Wasser in diesen beiden Anlagen zu filtern, installierten die Studierenden einen Sandfilter. Das Wasser fließt dafür durch drei Sandschichten: zuerst durch Kies, dann durch groben und zuletzt durch feinen Sand. Die Filterwirkung des Sandes ist einerseits mechanisch – Schmutzpartikel, die größer sind als die Sandkörner, bleiben hängen und werden so aus dem Wasser entfernt. Außerdem leben in dem Filter winzige Organismen, die im Wasser gelöste Stoffe abbauen. Voraussetzung für diese mikrobielle Filterwirkung ist, dass der Wasserzyklus nicht unterbrochen wird und ständig frisches Wasser nachfließt, damit die hilfreichen Mikroorganismen nicht absterben.

Für die Projekte arbeiteten rund 30 Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen mit der Bevölkerung vor Ort – möglich gemacht haben das die Spenden von Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen. Wer mitmachen oder die Hochschulgruppe unterstützen will, findet hier Informationen und eine Spendenmöglichkeit.

 

Montag, 11. Juni, 2018
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Geschrieben von: Gastautor