RAUSGESCHAUT

Kohi – Kultur mitgestalten in Karlsruhe

Kohi, das heißt Kaffee auf Japanisch. Kaffee und Sushi gab es in den Räumen am Werderplatz, bevor der Laden zu machte – die Gründer des jetzigen Kulturvereins trafen sich von da an einfach weiter dort. Gleicher Name, anderes Angebot: Statt Sushi stehen Veranstaltungen auf der Karte. Sarah Mall hat eine davon besucht.

Fotos: Markus Breig

 

Kohi, das heißt Kaffee auf Japanisch. Kaffee und Sushi gab es in den Räumen am Werderplatz, bevor der Laden zu machte – die Gründer des jetzigen Kulturvereins trafen sich von da an einfach weiter dort. Gleicher Name, anderes Angebot: Statt Sushi stehen Veranstaltungen auf der Karte. Sarah Mall hat eine davon besucht.

Am Eingang erwartet mich ein Pulk an Menschen, die kleine Kärtchen ausfüllen. Nur Eintritt zahlen geht hier nicht: Wer teilnimmt wird Mitglied – für eine Woche oder einen Monat. Gegen den jeweiligen Betrag dient das Kärtchen für diesen Zeitraum als Freischein, man kann so oft kommen, wie man will. Weiter zur Bar, an der ehrenamtliche Helfer die Getränke zum Selbstkostenpreis über die Theke reichen. Im Vorraum gibt es wechselnde Ausstellungen und im Schaufenster eine kleine Retrositzecke. Es ist 21 Uhr, ich begebe mich in den hinteren Raum, wo Konzerte unterschiedlichster Art, Poetry Slams, Lesungen oder Theatervorführungen stattfinden. Heute spielt Nunuk. Beim Probehören auf youtube überzeugte mich der Hippiepop der deutsch-spanischen Kombo. Mit einer kleinen Verspätung legt die Band los. Das Publikum steht in dem dunklen Raum hautnah an der nur minimal erhöhten Bühne: So verpufft die Distanz zwischen Künstlern und Zuhörern. Nunuk sind ohnehin sehr liebenswürdig. Singen auch mal begeistert minutenlang „Schalalala-laaa-laaa-laaaa“ in wechselnder Intonierung. Man merkt, wieviel Freude ihnen das Experimentieren mit Stimme, Klängen, Instrumenten und Beats macht.

 

Kohi Kulturraum

 

Gebucht wurden Nunuk von Tom Boller, der Jazz-Programmpunkte koordiniert. Vom Treffpunkt einiger Kulturvisionäre vor neun Jahren zum heutigen Verein hat sich einiges verändert, es steckt viel mehr Organisation dahinter: „Wir brauchen einen Vorstand, das Programmheft muss rausgehen, die Events koordiniert und ein Schichtplan erstellt werden. Das machen alles unsere Mitglieder“, so Tom Selzer, der das Booking und die Koordination der anderen Veranstaltungen übernimmt. Neben Testmitgliedern wie mir gibt es natürlich feste Vereinsgenossen, die den Mitgliedsbetrag monatlich überweisen und sich mehr oder weniger einbringen. Dafür wird ihnen der Eintritt zu allen Veranstaltungen garantiert.

So vielfältig wie das Publikum am Werderplatz, wo sich Hipster und Penner zu gleichen Teilen um den Indianerbrunnen scharen, sind auch die Besucher des Kohi. Tom Selzer will deren unterschiedliche Interessen abdecken: „Wir sind ein Stadtteilkulturzentrum. Alles, was man unter Kultur verstehen kann, machen wir.“ Und das sehr erfolgreich: „Mittlerweile sind wir oft ausgebucht, sowohl was Besucher als auch was Veranstaltungen angeht. Die Bands fragen bei uns an, ob sie hier spielen können und wir müssen sie nur noch in die Planung quetschen“, so Kirsten Bohlig. Sie ist für das Layout des Programmhefts zuständig und schon seit der Gründung mit dabei: „Außerdem wohne ich ums Eck und springe ein, wenn Not am Mann ist.“

Heute lief alles glatt, soweit ich das als Besucherin beurteilen kann. Nunuk singen „Sabadabada-sabadabada“. Das beseelte Lächeln der Bandmitglieder springt langsam auch auf die Gesichter im Zuschauerraum über. Am Ende singen alle mit.

Kommende Events im Kohi: http://www.kohi.de/kohi-events.php?PSC
Neugierig geworden auf Nunuk? http://www.nunuk-nunuk.com

Montag, 22. August, 2016
  RAUSGESCHAUT


Sarah Mall

Geschrieben von: Sarah Mall
Sarah Mall hat zuerst Übersetzung, dann Kultur- und Medienwissenschaft studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin und Texterin in Karlsruhe.