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KITcar: „Wir basteln nicht, wir konstruieren“

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Im Kleinen setzt die Hochschulgruppe KITcar heute schon um, was im Großen noch Zukunftsmusik ist: Ihre Modellfahrzeuge meistern Hindernisstrecken unter Bedingungen möglichst nahe am realen Straßenverkehr. Denis Elbl hat sich mit Vorstand Kevin Rösch und Teammitglied Adrian Aschenbrenner getroffen.

Fotos: KITcar e.V.
Text: Denis Elbl

 

Vier Teilnahmen, dreimal auf dem Treppchen und dieses Jahr endlich ganz oben: Die Bilanz der Hochschulgruppe KITcar e.V. beim Carolo-Cup kann sich sehen lassen. Bei diesem Wettbewerb in Braunschweig müssen sich autonome Fahrzeuge im Maßstab 1:10 mit Hilfe einer Kamera und weiterer Sensoren orientieren. Sie erkennen die vor dem Fahrzeug liegende Strecke und leiten die Bilder an einen Rechner weiter. Die Roboterfahrzeuge müssen den Parcours möglichst schnell, aber unter Einhaltung von Tempolimits bewältigen und, wie im normalen Straßenverkehr auch, beim Überholen den Gegenverkehr beachten und Fußgänger an Zebrastreifen erkennen.
Mit einer Endgeschwindigkeit von 4,2 Metern pro Sekunde und sehr guten Fahreigenschaften ist das für „Dr. Drift“, wie das aktuelle Modell heißt, kein Problem. Im Vergleich zu seinen Vorgängern „Mr. Fast“ und „Mrs. Furious“ ist „Dr. Drift“ deutlich flacher und damit optisch viel näher an einem „echten“ Rennfahrzeug. Das Design ist das Ergebnis einer Kooperation mit Fahrzeugdesignern der Hochschule Pforzheim. „Wir wollten etwas Schickeres“, sagt Vorstand Kevin Rösch, „vor allem aber sorgt ein tieferer Schwerpunkt für höhere Stabilität.“

Informatik, Maschinenbau, Wirtschaftswissenschaften – bei KITcar kommen Studierende unterschiedlichster Fachbereiche zusammen. Kevin studiert Mechatronik und Informationstechnik im Master, sein Vorstandskollege Adrian Aschenbrenner ist Masterstudent in Elektrotechnik. Was die etwa 40 aktiven Mitglieder der bunt gemischten Truppe eint: die Leidenschaft für das Konstruieren.

 

Bunt gemischte Truppe: Bei KITcar kommen Studierende unterschiedlichster Fachbereiche zusammen.

 

 

In den Fahrzeugen steckt jede Menge Handarbeit: „Das Chassis stammt aus einem Modellbausatz, aber außer Lenkung, Motor- und Radaufhängung ist nicht mehr viel davon übrig“, erklärt Kevin. Damit kein falscher Eindruck entsteht, ergänzt Adrian augenzwinkernd: „Wir basteln nicht, wir konstruieren.“ Die Karosserie entsteht im 3-D-Druck, weitere Aufgaben des Teams sind die Programmierung und Modifikationen an der Hardware. Rund zwei Jahre Entwicklungsdauer stecken in „Dr. Drift“, die tatsächliche Arbeitszeit sei kaum zu beziffern. „Mehrere hundert Stunden“, so schätzen die beiden, werden es wohl gewesen sein – pro Person! „Die meisten sind mit so viel Herzblut dabei, dass sie eher eine Vorlesung ausfallen lassen würden“, meint Adrian.

 

Schnell und schnittig: Dr. Drift, das aktuelle KITcar-Modell, war beim Carolo-Cup nicht zu schlagen.

 

 

Und das verträgt sich mit dem Studium? „Eigentlich ist es kompletter Irrsinn“, lacht Adrian: Zwar ergäben sich aus der Arbeit bei KITcar immer wieder Themen für Abschlussarbeiten, darüber hinaus aber sei das Engagement nicht anrechenbar. Und kostet obendrein Geld: Rund 2.300 Euro hat „Dr. Drift“ am Ende gekostet. „Unsere Finanzierung steht auf drei Pfeilern: Mitgliedsbeiträge, Sponsoring durch Unternehmen und Unterstützung vom Institut für Mess- und Regelungstechnik des KIT“, erläutert Adrian. Über die Unternehmen aber kommen nicht nur Sponsorgelder in die Kasse: Für viele Firmen ist autonomes Fahren derzeit ein „Hype-Thema“, wie Kevin sagt: „Die beobachten den Carolo-Cup inzwischen intensiv.“ Auf diese Weise entstanden persönliche Kontakte, Unternehmen böten gezielt Praktika und Abschlussarbeiten an.

Denn praktisches, fachübergreifendes Arbeiten macht eben auch für potenzielle Arbeitgeber attraktiv. „Interdisziplinäre Arbeit ist bei uns enorm wichtig“, sagt Kevin. „Bei uns sind Maschinenbauer bald keine reinen Maschinenbauer mehr, irgendwann programmieren die alle.“ Der Kariere-Aspekt steht aber letztlich im Hintergrund, sind sich die beiden einig: „Wir machen das alle nicht für den Lebenslauf oder die Karriere, sondern aus Leidenschaft.“

 

„Dr. Drift“ absolviert seinen Rundkurs autonom beim Carolo Cup – diesmal mit Hindernissen auf der Strecke.

Montag, 25. Juni, 2018
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Geschrieben von: Gastautor