GESICHTER

KIT Studis im Porträt: Tilmar Schinke

Abi, FSJ oder Auslandssemester und anschließend ein Studium – so sieht der Lebenslauf der meisten Studierenden Anfang 20 aus. Allerdings gibt es auch Studis, die erst nach einer Berufsausbildung Lust auf das Studieren bekommen: Einer von ihnen ist Tilmar Schinke. Er studiert mittlerweile im 4. Semester Bauingenieurwesen am KIT. Saskia Bälz berichtet über einen etwas anderen Studenten.

Fotos: Lydia Albrecht

 

Tilmar Schinke ist 22 Jahre alt und kam nicht auf dem geradlinigsten Weg zum Studium. Nach seiner Mittleren Reife machte er erst einmal eine Ausbildung zum Heizungsbauer. „In der Ausbildung habe ich ein Jahr übersprungen und schon vor den Abschlussprüfungen, also vor offiziellem Ende der Ausbildung, mit dem Meister begonnen“, erzählt Tilmar. Neben der Ausbildung und der Meisterschule besuchte er zusätzlich eine Abendschule, um die Fachhochschulreife nachzuholen. „Da kam ich abends um 10 nach Hause und bin morgens um 8 zur Arbeit bzw. zur Schule gegangen – das war schon stressig“, berichtet er.
Auch wenn sein Lebenslauf zielstrebig erscheint –wollte Tilmar Schinke etwas Anderes: „Eigentlich wollte ich von Anfang an weg, doch es hat sich alles so ergeben“, sagt er lachend. „Die einzige Meisterschule, die nach der Ausbildung für mich am besten geeignet war, war ausgerechnet in Karlsruhe, obwohl ich auch weiter weggegangen wäre“, so Tilmar weiter. So wurde seine Reiselust hinten angestellt, damit er die Karlsruher Meisterschule, die ein gutes Ansehen genießt, besuchen konnte.

 

Mittlere Reife, Ausbildung, Abendschule, Meister – und jetzt ein Studium
Sein Lebenslauf bezeugt es schon – Tilmar Schinke ist ein sehr motivierter Mensch, er selbst beschreibt sich allerdings als „tierisch faul, aber diszipliniert“. „Wenn ich ein Ziel vor Augen habe, dann gebe ich alles!“, charakterisiert sich Tilmar selbst. Für seinen Meister hat er sich ordentlich ins Zeug gelegt, die Durchfallquote lag bei 75 Prozent und er wollte keinesfalls dazu gehören. „Im Skiurlaub bin ich morgens um 5 Uhr aufgestanden und habe bis zum Frühstück gelernt, nach dem Skitag ging es dann auch wieder ans Lernen“, berichtet Tilmar. Der Meister hat ihm gezeigt, dass es sich lohnt, sich für etwas richtig reinzuhängen: Sein Einsatz hat sich gelohnt, er konnte einen guten Abschluss hinlegen.
Mittlere Reife, Ausbildung, Abendschule, Meister – doch damit nicht genug. Tilmar entschloss sich für ein Studium. Und selbst zwischen Meister und Studium suchte er sich eine weitere Beschäftigung. „Zur Überbrückung habe ich in einem Architektenbüro freiberuflich mitgearbeitet“, berichtet Tilmar weiter. Dort hat er mit einer befreundeten Architektin ein komplettes Projekt inklusive Bauantrag durchgeplant. Anschließend begann sein Studium des Bauingenieurwesens – zu seinem ‚Unglück‘ auch in Karlsruhe. „Ich dachte, dass mich mein Studium endlich mal wo anders hinzieht – doch das KIT bietet gerade im Bereich Bauingenieurwesen beste Voraussetzungen. Es wäre nicht klug gewesen, wo anders hinzugehen“, begründet Tilmar seine Entscheidung in Karlsruhe zu bleiben.

 

Im Studium mussten einige Kenntnisse nachgeholt werden
Der Einstieg ins Studium fiel im nicht gerade leicht: „Ich habe im ersten Semester sehr deutlich gespürt, dass ich kein allgemeines Abi habe, die anderen waren alle viel weiter als ich“, beschreibt Tilmar seinen Start am KIT. Er musste sich ordentlich ins Zeug legen, um mithalten zu können. „Ich habe mir beispielsweise zu Beginn des Studiums Hilfe von einer Masterstudentin geholt, die mir alle Fragen beantwortet hat und mit mir gemeinsam die fehlenden Kenntnisse aufgeholt hat“, erklärt Tilmar seine Strategie, um so schnell aufzuholen, was ihm an Vorkenntnissen gefehlt hat. „Dafür musste ich allerdings in meiner Freizeit große Abstriche machen“, lacht Tilmar. Denn neben seinen Lebensstationen, sehen auch seine Freizeitaktivitäten sehr bunt aus.

 

 

…und Zeit für Sport und Hobbies bleibt trotzdem noch!
Tilmar fährt Snowboard, Rennrad und Mountainbike, zudem betreibt er Zirkeltraining. Den größten Teil seiner Freizeit nimmt aber das Klettern ein: er klettert nicht nur leidenschaftlich gerne, sondern leitet auch eine Jugendgruppe. Auf die Frage, wie er das denn alles unter einen Hut bekommt, antwortet er nur kurz und schmunzelnd „Ich kann einfach nicht nur rumhocken, ich muss immer was tun.“

Die einzige Phase, in der der Sport hinten angestellt wird, ist die Prüfungsphase. „In der Prüfungsphase konzentriere ich mich voll und ganz aufs Studium, da mache ich kaum Sport“, erklärt Tilmar. „Da bin ich aber auch sehr schlecht zu ertragen“, sagt er und lacht.

 

Wille und Wissensdurst
Tilmar will auch anderen Studierenden Mut machen, die sich nach einer Ausbildung doch noch entschließen zu studieren. Diesen empfiehlt Tilmar sich am Anfang ins Zeug zu legen: „Es gibt diese Intensivkurse, in denen man sein Wissen wieder auf den neuesten Stand bringt. Außerdem würde ich jedem empfehlen, sich einen Lernpartner aus einem höheren Semester zu suchen, der einem helfen kann.“ Außer dieser Starthilfe sei es natürlich auch wichtig, einen großen Willen und Wissensdurst zu haben – aber das ist ja bei jedem Studium von Vorteil.

 

„Noten sind mir eigentlich nicht so wichtig“
Zum Schluss noch eine Entwarnung – der typische Streber ist TiImar nicht. „Noten sind mir eigentlich egal, mir geht es um das Studium selbst, ich will den Dingen auf den Grund gehen und nicht die beste Note in der Klausur haben“, stellt Tilmar klar. Allerdings habe die Disziplin manchmal auch ihre Tücken. „Ich muss defintiv noch lernen, meine Ziele manchmal nicht zu hoch zu stecken, damit mir noch Luft nach oben bleibt“ fasst Tilmar abschließend zusammen. Seine große Reiselust stellt Tilmar übrigens hinten an. „Ich könnte nie für ein halbes oder ganzes Jahr weg, wie es viele machen, das ist mir momentan zu viel Zeitverschwendung“ erklärt Tilmar. Reisen möchte er lieber in seiner Freizeit und vor allem auf sportlicher Ebene. „Städtereisen kann ich auch noch im höheren Alter machen, wenn ich nicht mehr so fit bin“, stellt Tilmar am Ende des Gesprächs lachend fest.

Montag, 4. Juni, 2018
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Saskia Bälz

Geschrieben von: Saskia Bälz
Saskia Bälz studiert Germanistik und Medientheorie und -praxis am KIT. Seit Oktober 2016 arbeitet sie bei clicKIT mit.