GESICHTER, INTERNATIONAL

KIT Studis im Ausland: Simon Aurand in Neuseeland

Simon Aurand studiert Bauingenieurwesen im Master und ist im letzten Semester.
Für seine Masterarbeit ist er ins neuseeländische Auckland geflogen, um an der University of Auckland die Arbeit zu schreiben. Mit Tu-Mai Pham-Huu sprach er über seine Erfahrungen.

Fotos: Simon Aurand

 

Was genau hast du in Auckland gemacht?
Ich schrieb dort meine Masterarbeit.

Bist du im Rahmen eines Stipendiums dort?
Der Aufenthalt ist selbstorganisiert, ich bekomme jedoch finanzielle Unterstützung durch das PROMOS Stipendium.

Warum hast du dir dieses Land ausgesucht?
Ich kam über persönliche Kontakte meines Professors nach Auckland, der selbst mehrmals zu Forschungsaufenthalten dort war. Daher habe ich mir das Land nicht aktiv ausgesucht – kann mich aber nicht beklagen!

 

 

 

Wie ist die Atmosphäre an deiner Gast-Uni?
Die University of Auckland ist die größte Uni von Neuseeland mit etwa 40.000 Studierenden. Die Fakultäten verteilen sich auf mehrere verschiedene Campusse in der Stadt. Der größte ist der City Campus, wo die meisten Vorlesungen stattfinden. Dort gibt es eine Mischung von neuen und alten Gebäuden, mit dem Clocktower als Wahrzeichen der Uni. Ich selbst war aber ausschließlich in der Versuchshalle auf dem Newmarket Campus, etwa 20 Minuten zu Fuß von der Innenstadt entfernt. Daher kann ich über das normale Studentenleben in Auckland leider nicht viel berichten.

Was waren bisher die größten Herausforderungen für dich während deines Auslandsaufenthalts?
So etwas Simples wie ein Bankkonto zu eröffnen hat extrem lange gedauert. Dazu braucht man einen Nachweis über Adresse, Kontoauszüge, Rechnungen, Wahlunterlagen, etc. Das hatte ich jedoch alles nicht und hatte mich davor auch nicht wirklich informiert. Man bekommt nämlich in fast jedem Hostel eine Bestätigung der Adresse, weswegen es dann eben ein bisschen länger gedauert hat, bis ich endlich einen Brief mit meiner Adresse hatte, der akzeptiert wurde. Auf dem Brief war dann leider nur mein Rufname und nicht mein voller Name laut Reisepass, was wieder einiges an Diskussion hervorrief.

 

 

Welches war bisher dein schönstes Erlebnis dort?
Das erste Mal Campen, eine Wanderung zu den Pinnacles, der Sonnenuntergang vom Mount Eden aus… ich könnte hier quasi jeden Ausflug aufzählen, weil Neuseeland landschaftlich umwerfend ist.

Aber eines ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Der Sternenhimmel und die Milchstraße über Mount Taranaki. Geplant war eine Zwei-Tages-Wanderung an seinem Fuß. Am ersten Tag standen 15 Kilometer bis zur Hütte an und am zweiten Tag 11 Kilometer zurück zum Auto.

Samstagmorgen ging es gegen neun Uhr los. Mit im Rucksack dabei waren Schlafsack, Campingkocher, Essen für zwei Tage und natürlich die Kamera. Nach ca. sechs Stunden Fahrt und einer Mittagspause sind wir am Campingplatz für die erste Nacht angekommen. Dort wurde uns schon direkt bestätigt was man im Internet überall zu lesen bekam: „It’s a shy Mountain that likes hiding behind clouds.“

Abends hatten wir dennoch Glück – die Wolken verzogen sich und wir bekamen einen ersten Blick auf den perfekten Vulkankegel. First Impression: sieht von Nahem viel größer aus als bei Google. Sonntagfrüh ging es dann bei strahlendem Sonnenschein los.

Erst durch Busch und Wald, bisschen hoch, bisschen runter, hier mal eine kleine Brücke, dann mal eine wackelige Hängebrücke über eine tiefe Schlucht und irgendwann ständig bergauf. Über ausgewaschene Stufen, Wurzeln und große Felsen schlängelte sich der Pfad steil nach oben durch den Wald, bis man über der Baumgrenze durch mannshohes Gestrüpp auf eine Holztreppe stieß.

Nach jeder Kurve war die Hoffnung groß, endlich oben zu sein, nach jeder Kurve wurde man aufs Neue enttäuscht und hatte weitere Stufen vor sich. Am Gipfel angekommen konnte man nur erahnen, wo Mount Taranaki ungefähr ist, da er wieder komplett in Wolken und Nebel gehüllt war. Von hier ging es nun zum Glück auf einem Bergrücken ständig bergab, durch einen Sumpf und auf der anderen Seite wieder leicht bergauf in den immer tiefer sinkenden Nebel bis zur Hütte. Da es Sonntagabend war, mussten wir die Hütte, die bis zu 32 Personen beherbergen kann, zum Glück nur mit einem weiteren Wanderer teilen.

Vor dem wärmenden Kamin saßen wir bis spät in den Abend, es war eine ganz eigene harmonische Atmosphäre, so einsam und abgeschieden und weit weg vom Alltag. Als ich nachts dann kurz rausmusste, wurde ich schier erschlagen vom Sternenhimmel. Nachdem man abends keine 100 Meter weit sehen konnte und es regnete, hatte ich nicht damit gerechnet, dass es nachts aufklärt und man die Milchstraße zu sehen bekommt. Das war bis jetzt mit Abstand mein schönstes Erlebnis hier in Neuseeland!

 

 

Montag, 14. August, 2017
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Tu-Mai Pham-Huu

Geschrieben von: Tu-Mai Pham-Huu
Tu-Mai Pham-Huu ist Redaktionsleiterin Crossmedia am KIT. Sie hat Psychologie in Heidelberg studiert und an der Burda Journalistenschule volontiert.