GESICHTER, INTERNATIONAL

KIT Studis im Ausland: Mascha Varlamova in Chile

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Mascha Varlamova kommt aus Moskau. Nach einem Semester in Deutschland als Teil ihres russisch-deutschen Doppeldiploms entschied sie sich, am KIT ihren Master zu machen und verbrachte nun ein Auslandssemester an der Pontificia Universidad Católica de Chile in Santiago. Ihre schönsten Momente und Tipps zur Organisation eines Semesters in Chile verriet sie Sarah Mall.

Fotos: Matthieu Griesmar

 

Von Moskau nach Karlsruhe nach Santiago
Mascha hat an der Philosophischen Fakultät der Universität Moskau ihr Doppeldiplom in Geschichte und Theorie der Weltkultur gemacht und war währenddessen für ein Semester am KIT. Sie verliebte sich in Karlsruhe und entschied sich darum, für den Master hierher zurückzukehren – nun studiert sie im vierten Semester Europäische Kultur und Ideengeschichte. So wohl sie sich in Karlsruhe auch fühlt, wollte sie doch noch die Chance nutzen, im Rahmen eines Auslandssemesters einen völlig anderen Teil der Erde kennenzulernen: es ging nach Santiago de Chile.

 

Warum hast du dich für das Auslandssemester in Chile entschieden?
Südamerika stand schon lange auf meiner Liste. Eigentlich wäre ich am liebsten nach Argentinien gegangen, unser Studiengang hat dort aber kein direktes Programm. So habe ich mich relativ spontan für die Pontificia Universidad Católica de Chile beworben und bin in Santiago gelandet. Das Kursangebot fand ich ansprechend – ich konnte mich in der Auswahl meiner Seminare dort auf die chilenische und lateinamerikanische Kunst und Kultur konzentrieren. Und zumindest für zwei kurze Trips habe ich es dann doch über die Grenze nach Argentinien geschafft.

 

Wie lief die Bewerbung ab und wie hast du dein Auslandssemester finanziert?
Ich hätte mir das Semester ohne Stipendium nicht leisten können. Weil ich mich sehr kurzfristig entschieden habe, mich um einen Platz zu bewerben, musste es sowohl für die Universität in Santiago als auch das Stipendium schnell gehen. Die Baden-Württemberg-Stiftung schreibt zwei Plätze pro Jahr aus, man bewirbt sich dann parallel für die Uni und das Stipendium und hofft, dass beides durchgeht. Ich war erfolgreich und habe von der Stiftung finanzielle Unterstützung und einen Reisekostenzuschuss erhalten. Dafür habe ich während des Aufenthalts das KIT bei Veranstaltungen repräsentiert und musste nach Ende des Semesters einen Bericht schreiben.

 

Wie lief der Alltag in Santiago ab – hat es dir dort gefallen?
Ich kenne aus Moskau bereits das Leben in einer Großstadt mit all seinen Nachteilen. In Santiago sind mir diese ebenfalls begegnet: Es ist zu stressig, es gibt zu viele Menschen und viel Verkehr. Mit  dem Fahrrad unterwegs zu sein ist schwierig und eher gefährlich. All das hat den Alltag, vor allem im Vergleich zu Karlsruhe, sehr anstrengend gestaltet.

Positiv waren natürlich die vielen kostenlosen kulturellen Aktivitäten und die Lage –  innerhalb einer Stunde ist man am Meer oder in den Bergen. Für ein halbes Jahr war es ok, verlängern wollte ich die Zeit in Santiago aber nicht.

Generell fand ich es toll, wieder so eine einschneidende Veränderung zu erleben. Das Auslandssemester in Santiago war eine ganz neue Erfahrung, gleichzeitig hat mich Chile oft an Russland erinnert. Es ist das sicherste und reichste Land Lateinamerikas, trotzdem aber nicht zu vergleichen mit einem europäischen Staat. Oft fiel mir die fehlende Infrastruktur und schlechte Organisation auf. An der Uni in Santiago allerdings hat mir das sehr gut organisierte International Office mit dem starken Einführungsprogramm und tollen Veranstaltungen gefallen. Und in Chile als Land habe ich mich schwer verliebt, es hat sowohl landschaftlich als auch kulturell sehr viel zu bieten.

 

Wie war die Erfahrung an der Partneruni?
Alle Kurse wurden auf Spanisch gehalten. Ich habe am KIT schon einen Sprachkurs besucht und so in den Veranstaltungen erstaunlich viel verstanden. Mein geschriebenes Spanisch ist allerdings schlechter und so waren die Prüfungsanforderungen schwer zu erfüllen, weil viele Kurse Essays oder schriftliche Arbeiten als Prüfungsleistung hatten. Für ein Auslandssemester war es also wirklich viel Aufwand – bis zu 3 Klausuren in jedem Fach pro Semester.

 

Campus – Uni Santiago

 

 

Wie sah die Realität im Vergleich zu deinen Erwartungen vor dem Auslandssemester aus?
Ich bin ziemlich erwartungslos nach Santiago gefahren und ohne große Vorkenntnisse zu Chile. Ich hatte es mir aber exotischer vorgestellt, als es tatsächlich war. Die chilenische Kulturgeschichte ist ziemlich jung und überhaupt nicht so umfassend wie die europäische –  sie beginnt etwa ab dem 18. Jahrhundert, davor gab es die präkolumbianische Kunst. Insgesamt hatte ich viel mehr Spaß und weniger Arbeit erwartet. Der Workload hat mich überrascht, schließlich hatte ich die Credits für meinen Master am KIT bereits alle zusammen und nicht erwartet, dass die Kurse so anstrengend sind.

 

Was ist die schönste und schrecklichste Erinnerung an dein Semester in Chile?
Highlights waren die Reisen, besonders die Atacama-Wüste und der Roadtrip durch das winterliche Patagonien waren wunderschön. Im Großen Süden war es zwar abenteuerlich und sehr kalt, aber auch ziemlich cool. Auch der Trip nach Buenos Aires war sehr schön, die Stadt hat mir besser gefallen als Santiago. Generell war jeder Moment mit einem Pisco Sour eine gute Erinnerung.

Das Schlimmste, besonders in Santiago, war die Kälte. Ich bin im Herbst-/Wintersemester angekommen und es gab nirgendwo eine Heizung, die Gebäude sind nicht genügend isoliert. In der Uni saßen alle mit ihren Winterjacken in der Vorlesung. Egal ob gute oder schlechte Erinnerung: Die Zeit hat mich fürs Studium und fürs Leben weitergebracht – ich weiß jetzt, dass ich auf einem anderen Kontinent überleben kann und Lateinamerika ist definitiv eine Option als Promotionsthema. Außerdem habe ich nette Leute kennengelernt, die ich gerne wieder besuchen will.

 

 

Welche Tipps hast du für Studierende zur Organisation eines Auslandssemesters in Santiago?
Für die Vorbereitung ist es besonders wichtig, Fristen zu beachten und Vorlauf einzuplanen. Wer ein Stipendium anstrebt muss sich parallel bewerben und hoffen, dass alles klappt. Das International Students Office am KIT war eine große Hilfe bei den Vorbereitungen, auch die Kollegen direkt in Santiago. Für die Wohnungssuche würde ich empfehlen nicht aus Deutschland, sondern vor Ort zu suchen und mit den Menschen direkt zu sprechen, zu sehen, ob alles passt – und besonders nach der Heizung zu fragen. Im Winter ist das für Europäer wirklich wichtig. Was die Kurse angeht liegt die Empfehlung bei drei bis fünf Fächern pro Semester. Ich habe mit fünf Fächern angefangen, dann aber gemerkt, dass es zu viel Aufwand ist und mir zu wenig Zeit bleibt, das Land anzuschauen. Also nicht zu motiviert an das Auslandssemester herangehen! Schließlich muss man auch noch das Leben vor Ort mitnehmen: Zum Markt in Santiago gehen, Pisco Sour trinken, entdecken und genießen.

Montag, 8. Januar, 2018
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Sarah Mall

Geschrieben von: Sarah Mall
Sarah Mall hat zuerst Übersetzung, dann Kultur- und Medienwissenschaft studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin und Texterin in Karlsruhe.