GESICHTER, INTERNATIONAL

KIT Studis im Ausland: Judith Zinsser in Israel

Judith Zinsser studiert am KIT Geoökologie im 6. Semester im Master und verbrachte für einen Forschungsaufenthalt einen Monat in Israel. In clicKIT spricht sie über ihre Erfahrungen und Erlebnisse.

Text und Fotos: Judith Zinsser

 

Was genau hast Du während Deines Forschungsaufenthaltes in Israel gemacht? 

Ich war vier Wochen lang in Rechovot südlich von Tel Aviv. Zweck des Aufenthaltes war es, Daten für meine Masterarbeit in einem Pinienwald (Yatir Forest) an der Grenze zur Negev Wüste zu sammeln.
Meine Masterarbeit ist Teil eines größeren Forschungsprojektes namens CLIFF – eine Forschungskooperation zwischen dem IMK in Garmisch-Patenkirchen und dem Weizmann Institut in Rechovot.

Mein Programm bestand hauptsächlich aus Aufenthalten im Wald, um Messungen vorzubereiten und durchzuführen. Meine Messzeiten sind auf Sonnenauf- und Sonnenuntergangszeiten beschränkt.
Die restliche Zeit bestand aus An- und Abfahrt, Recherchen und Absprachen mit der Arbeitsgruppe am Institut.

 

Bist Du im Rahmen eines Stipendiums dort?
Ich bin mit dem PROMOS Stipendium hier, das neutrale und flexible Fördermöglichkeiten für Auslandsaufenthalte bietet.

 

Warum Israel?
Israel ist ein Land voller Vielfalt und Unterschiede. Gesellschaftlich wie landschaftlich gibt es viel zu entdecken. Bereits im Januar 2016 bin ich für einen Kurzurlaub in Tel Aviv, Jerusalem und Ramallah gewesen und konnte einen Einblick gewinnen. Nach dieser positiven Erfahrung habe ich mit Begeisterung festgestellt, dass eine Forschungskooperation zwischen meiner Universität und Israel besteht und sogar ein interessantes Thema für eine
Masterarbeit mit Aufenthalt in Israel angeboten wurde. Es war also eher Zufall, dass ich ein zweites Mal in dieses Land geflogen bin.


Wie sieht es an der Uni in Rechovot aus?

Das Weizmann Institut ist ein Forschungscampus, der durch seine moderne und begrünte Anlage wie eine Oase in der sonst sehr trockenen Landschaft wirkt. Da auf dem Campus ebenfalls Familien mit Kindern wohnen, ist die Atmosphäre sehr entspannt und in vielen Bereichen eher wie in einem Dorf. Ich habe selbst auf dem Campus in einem Wohnheim mit vielen anderen internationalen Studenten gewohnt. Die Israelis sind überaus gastfreundlich und haben sich sehr bemüht, uns allen einen angenehmen Aufenthalt zu bereiten. Auch die Arbeitsatmosphäre am Institut war sehr freundschaftlich und ich habe mich wohlgefühlt. Einzig an die Klimaanlagen konnte ich mich nicht gewöhnen.

 

Wie unterscheidet sich diese Uni von einer deutschen Uni?
Meine Uni in Israel ist ein Forschungscampus. Die Studenten, die am Weizmann Institut sind, sind bereits Master- oder Ph.D.-Studenten. Daher ist es eher eine Arbeitsatmosphäre und keine studentische Atmosphäre wie etwa am KIT. Die internationalen Studierenden sind entweder für Praktika oder im Rahmen von Ph.D. Programmen nach Rechovot gekommen und dementsprechend eingebunden.

 

Was waren bisher die größten Herausforderungen für Dich an Deinem Auslandsaufenthalt?
Da ich bereits eine Urlaubswoche in Israel verbracht hatte, konnte ich mich von Anfang an ganz gut zurecht finden. Einzig das Einkaufen in Supermärkten war etwas schwierig. Da Israel wenig Lebensmittel importiert und viel selbst
hergestellt und angebaut wird, sind jegliche Produkte ausschließlich in Hebräisch. Manchmal blieb dann nur raten oder einfach ausprobieren. Die Hitze des subtropischen Klimas war in der ersten Woche recht anstrengend und es ist empfehlenswert, erst mal langsam zu machen. Für mich persönlich waren jedoch die Klimaanlagen mit eisigen Temperaturen eine sehr große Herausforderung nicht krank zu werden.

 

Welches war Dein schönstes Erlebnis dort?
Mein weitaus schönstes Erlebnis war es, den intensiven Sternenhimmel in der Negev Wüste bestaunen zu dürfen als wir im Nationalpark bei Mitzpe Ramon übernachtet haben. Ich war vorher noch nie in der Wüste und so viel Dunkelheit und Schönheit hatte ich zuvor auch nicht gesehen. Das zweitschönste Erlebnis war es, eine Hyäne im Yatir Wald zu sehen und nach Sonnenuntergang mehrere Hyänen durch den Wald heulen zu hören.

 

Welche liebenswerten Angewohnheiten haben die Menschen in diesem Land?
Welche Angewohnheiten kamen Dir erst mal komisch vor?

Die Menschen in Israel sind überaus entspannte Menschen, die ihre eigenen Höflichkeitsregeln besitzen. Dies war anfangs zwar gewöhnungsbedürftig, jedoch habe ich schnell diese umgängliche und offene Art schätzen gelernt, welche nicht durch übertriebene Höflichkeit eingedämmt wird. Somit besteht beispielsweise wenig Hierarchie zwischen jung und älter.

 

Was war der größte Kulturschock für Dich?
Die mir am stärksten nachwirkende Erfahrung während meines Aufenthaltes war die militärische Übungswoche mit Übungsbombenalarm und ständiger militärischer Luftpräsenz. So friedlich Israel während meiner Aufenthaltszeit auch war und die meiste Zeit auch ist, sollte man nicht vergessen, dass das Land ständig abwehrbereit ist und sich alle paar Jahre zumindest militärisch in einem Kriegszustand befindet. Der Alltag ist davon nicht sonderlich beeinträchtigt, die Erfahrungen dieser Kriegszustände und sicherlich auch die Geschichte des Landes spiegeln sich allerdings in einem hohen Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung wieder. Dies könnte man als den größten Kulturschock bezeichnen – überall gibt es Zäune und Sicherheitspersonal.

 

Ist es einfach, Kontakt zu einheimischen Studis zu schließen oder bleiben die „Auswärtigen“ eher unter sich?
Da mein Aufenthalt recht kurz war, hatte ich wenig Zeit, um wirklich Kontakte zu knüpfen oder mich mit etwaigen Programmen vertraut zu machen. Jedoch sind die Israelis überaus offen und kontaktfreudig, daher sollte man wenig Probleme haben, Kontakt zu einheimischen Studis zu schließen. Dafür ist es jedoch erforderlich, sich auch mal außerhalb des Forschungscampus zur Universität direkt gegenüber zu bewegen z.B. zu eine der vielen Partys. Ansonsten bleibt man tatsächlich eher unter sich innerhalb der Wohnkreiszirkel der internationalen Studenten.

 

Welche Tipps kannst Du anderen Studis mit auf den Weg geben, die auch nach Israel möchten?
Erkundigt euch nach Kooperationen eurer Universitäten. Es besteht viel Zusammenarbeit zwischen Israel und Deutschland in unterschiedlichen Forschungsbereichen. Aber auch für ein Praktikum schien es am Weizmann Institut gerade für Biologen einige Optionen zu geben, um Erfahrungen zu sammeln.

 

 

  • Umgebung des Yatir Waldes

Montag, 29. Mai, 2017
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Geschrieben von: Gastautor
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