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KIT Studis im Ausland: Jana Neubauer in Chile

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Jana Neubauer hat am KIT „Funktionaler und Konstruktiver Ingenieurbau“ im Master studiert. Während ihres Studiums verbrachte sie ein Auslandssemester an der Universidad de Concepción (UdeC) in Chile. In clicKIT spricht sie über ihre Erfahrungen.

Fotos: privat
Text: Tu-Mai Pham-Huu

 

Was genau hast du in Chile gemacht und wie hast du den Aufenthalt finanziert?
Insgesamt war ich fünfeinhalb Monate in Chile. Das Auslandssemester dauert vier Monate. anschließend reiste ich noch einmal eineinhalb Monate durch Chile und Bolivien. Das Auslandssemester basiert auf einer Kooperation zwischen dem KIT und dessen Partneruniversitäten. Dadurch werden mir die Studiengebühren vor Ort erlassen. Zusätzlich habe ich das Baden-Württemberg-Stipendium erhalten, das mir bei der Finanzierung des Auslandssemesters ungemein geholfen hat.

 

Warum hast Du Dir dieses Land ausgesucht?
Einerseits wollte ich gerne mein Spanisch aufbessern und andererseits reizte mich die vielseitige Landschaft Chiles. Darüber hinaus hatte mich auch das Kursangebot der Universidad de Concepción angesprochen: Wegen der hohen seismischen Aktivität in Chile bieten die Unis dort eine große Bandbreite an interessanten Kursen über Erdbebeningenieurwesen an, durch welche ich meine Fachkompetenz auf diesem Gebiet erweitern konnte.

 

 

Wie war die Atmosphäre an der Universidad de Concepción?
An der Universidad de Concepción studieren derzeit ca. 27.000 Studenten. Dementsprechend groß ist der Campus der UdeC: Vom ersten bis zum letzten Gebäude läuft man zu Fuß gut 15 Minuten. Im Zentrum befindet sich eine wunderschöne Grünanlage, auf der die Studenten bei gutem Wetter zusammenkommen und die Sonne genießen. Dort ist auch das Wahrzeichen der UdeC, „El Campanil“, gelegen: eine weiße Turmuhr, die mehrmals am Tag ein kurzes Liedchen spielt.

In unmittelbarer Nähe der Grünanlage sind die Mensa, in der sehr günstig gegessen werden kann, und die Bibliothek. Für sportbegeisterte Studenten verfügt die Universität über ein großes Angebot an Sportkursen, das von Kampfsportarten bis zu Tanzkursen reicht. Außerdem gibt es auf dem Campus ein „Outdoor-Fitnessstudio“ mit einigen Geräten in „Trimmdich-Pfad-Qualität“. Insgesamt herrscht auf dem Campus eine lebhafte und lässige Atmosphäre, was mir persönlich sehr gut gefällt. Die Uni liegt – ähnlich zum KIT –  sehr zentral, sodass man zum Stadtkern nur wenige Minuten zu Fuß braucht.

 

Wie unterscheidet sich diese Uni von einer deutschen Uni?
Der größte Unterschied ist meiner Ansicht nach die Proteststimmung der Studierenden an der UdeC. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Universität aufgrund von Studentenprotesten mehrere Tage oder sogar Wochen schließen muss. Im Kern fordern die Studentenorganisationen eine Reformierung des Bildungssystems, wie zum Beispiel die Abschaffung der hohen Studiengebühren. Was ich hingegen sehr lustig fand, ist der Brauch der UdeC-Studenten zur Begrüßung der neuen Studenten: Die O-Phase an der UdeC wird sehr viel exzessiver gefeiert als beispielsweise am KIT. Während der ersten Semesterwochen sieht man somit regelmäßig „Ersties“, hier „Mechones“ genannt, in zerrissener, beschmierter oder tropfnasser Kleidung über den Campus huschen.

 

Ist es einfach, Kontakt zu einheimischen Studis zu schließen oder bleiben die „Auswärtigen“ eher unter sich?
Meine chilenischen Kommilitonen waren anfangs zwar etwas schüchtern, aber als offener Mensch knüpft man trotzdem sehr schnell Kontakt. Außerdem veranstaltet die Fakultät der Bauingenieure jedes Semester ein Grillfest, bei dem man zusammen mit den chilenischen Kommilitonen feiern und sich so besser kennenlernen kann. Was ich außerdem sehr schätze, ist, mit Chilenen zusammen zu wohnen. Ich lebte beispielsweise mit einer Chilenin zusammen in einer Zweier-WG und konnte dadurch eine Menge über die chilenische Küche und Kultur lernen. Abgesehen davon bin ich Teil eines großen Netzwerkes aus Austauschstudenten in Concepción, das zusammen ausgeht oder zusammen verreist.

 

Was waren die größten Herausforderungen für Dich an Deinem Auslandsaufenthalt?
Anfangs war die größte Hürde wohl, das chilenische Spanisch zu verstehen. Es ist sehr schnell und enthält sehr viele chilenische Eigenkreationen. Selbst die spanischen Austauschstudenten hatten teilweise Probleme, die Chilenen zu verstehen. Das Problem löste sich aber ganz von selbst nach einigen Wochen der Eingewöhnung.

 

Welches war dein schönstes Erlebnis dort?
Mein absolutes Highlight war sicherlich der Besuch des Nationalparks Torres del Paine im Süden Chiles. Ich wanderte dort insgesamt sechs Tage mit anderen Austauschstudenten auf der berühmten W-Route. Die Landschaft mit den Seen, Gletschern und natürlich den Gipfeln „Torres del Paine“ ist einfach atemberaubend schön und absolut empfehlenswert! Doch Chile hat noch viel mehr zu bieten als das: Strände mit türkisblauem Wasser, bestens ausgestattete Skipisten, Vulkane, Wüste und und und…

 

 

 

 

Welche liebenswerten Angewohnheiten haben die Menschen in diesem Land?
Was mich wirklich beeindruckt ist die Gastfreundlichkeit der Chilenen. Mehr als einmal durfte ich erfahren, dass die Redewendung „Mein Haus ist dein Haus“ hier wirklich praktiziert wird. Die Chilenen sind im Vergleich zu den Mitteleuropäern offener und kontaktfreudiger: So gibt man sich beispielsweise zur Begrüßung ein Küsschen rechts, egal ob Freund oder Fremder, Erwachsener oder Kind. Insgesamt wirkt das Leben hier weniger strikt und durchgetaktet als in Deutschland. Es wird mehr in den Tag hinein gelebt.

 

Welche Angewohnheiten kamen Dir erst mal komisch vor?
Was ich bis heute etwas seltsam finde, ist das sehr beliebte Biergetränk „Michelada“. Hierbei werden Bier und Zitronensaft in einem Glas mit einem Rand aus Salz und Merquén, einem scharfen chilenischem Gewürzmix, serviert. So ganz hat mich der Geschmack noch nicht überzeugt…

 

Was war der größte Kulturschock für Dich?
Für mich ist die chilenische Kultur der perfekte Mix aus westeuropäischer Ordnung und südamerikanischem Temperament. Einen richtigen Kulturschock habe ich also überhaupt nicht erfahren und durfte durchweg positive Eindrücke sammeln. Trotzdem darf man natürlich nicht vergessen, dass Chile ein südamerikanisches Land ist, in dem immer noch relativ große soziale Unterschiede herrschen und somit die Sicherheitslage nicht dieselbe ist wie etwa in Deutschland.

 

Welche Tipps kannst Du anderen Studis mit auf den Weg geben, die auch in dieses Land möchten?
Scheut euch nicht vor dem doch recht aufwendigen Bewerbungsprozess, denn ihr werdet am Ende mehr als belohnt! Informiert euch außerdem über Stipendien, die euch bei der Finanzierung unterstützen. Ich dachte anfangs, dass es sehr schwierig sein würde, ein Stipendium zu bekommen – und wurde letztendlich doch positiv überrascht. Außerdem solltet ihr eine Prise Geduld und Entspanntheit mit nach Chile bringen, da hier doch nicht immer alles so wie am Schnürchen läuft, wie man es von der deutschen Bürokratie gewohnt ist.

 

 

 

Auch Interesse über den Tellerrand zu schauen und im Ausland etwas zu lernen? Informiere dich im International Students Office (IStO) des KIT über die Möglichkeiten.

 

Erfahrungsberichte von Studenten im Ausland findest du auch in der entsprechenden Rubrik bei clicKIT.

Montag, 1. Oktober, 2018
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Tu-Mai Pham-Huu

Geschrieben von: Tu-Mai Pham-Huu
Tu-Mai Pham-Huu ist Redakteurin am KIT. Sie hat Psychologie in Heidelberg studiert und an der Burda Journalistenschule volontiert.