GESICHTER, INTERNATIONAL

KIT Studis im Ausland: Bastian Glasmacher in Shanghai

Bastian Glasmacher studiert Maschinenbau im 6. Bachelor-Semester und absolvierte ein Auslandssemester in China an der Tongji-University Shanghai. Den Aufenthalt finanzierte er durch das Baden-Württemberg-Stipendium.

Fotos: Bastian Glasmacher

„Mich hat China schon lange interessiert, weil das Land in vielen Hinsichten so verschieden zu Deutschland ist und ich etwas vollkommen Neues ausprobieren wollte“, erklärt Bastian seine Wahl. „Man hört vieles über China in den deutschen Nachrichten und hat viele Vorurteile. Ich wollte mir aber ein eigenes Bild machen. Zudem reizt es mich, die Sprache zu lernen.“ Außerdem könne der Aufenthalt in China für sein späteres Berufsleben Vorteile bringen, da es gerade in der Automobilindustrie viele Kooperationen zwischen Deutschland und China gäbe, fügt er hinzu.

Die Uni in Shangai beschreibt er als sehr groß mit vielen Grünflächen und sogar Seen. Sein Campus, an dem vor allem die technischen Studiengänge untergebracht seien, liege leider am Rande Shanghais und es dauere ca. eine Stunde mit der Metro, die Innenstadt zu erreichen. „Die wirtschaftlichen und kulturellen Studiengänge haben es da besser, da ihr Campus zentral gelegen ist“, bedauert er.

Auf die Frage, was diese Uni von den deutschen Unis unterscheide, antwortet Bastian: „Dadurch, dass die meisten auf dem Campus in Wohnheimen wohnen, findet viel mehr Leben auf dem Campus statt als in Deutschland. Es wird auf dem Campus gegessen, Sport gemacht oder sich einfach getroffen.“

Einheimische Studierende kennenzulernen sei einfach, solange man selbst offen sei, sagt er. „Viele Studenten wollen ihr Englisch oder sogar auch ihr Deutsch verbessern und kommen von sich aus auf die Austauschstudierenden zu. Ansonsten ist es auch gut, selbst den ersten Schritt zu machen und auf die einheimischen Studenten zuzugehen. Meistens sind sie sehr froh darüber und es entstehen Freundschaften.“

 

An der Uni gäbe es auch viele Programme, wie das „Buddy-Program“, durch die man in guten Kontakt komme. Die beste Möglichkeit sei es aber, Studentenorganisationen wie Reisegruppen oder auch Sportmannschaften beizutreten.

Die größte Herausforderung an seinem Auslandsaufenthalt seien zum einen organisatorische Dinge gewesen: „Hier ist vieles recht unorganisiert, so habe ich zum Beispiel erst sehr kurzfristig eine Kursliste bekommen und kann nur Mastervorlesungen besuchen“, berichtet er. „Eine andere Herausforderung gerade am Anfang war die Kommunikation mit den Menschen außerhalb des Campus, da recht wenige Englisch können.“

Trotzdem fand Bastian besonders schön, dass die Chinesen, denen er begegnet ist, alle sehr freundlich und aufgeschlossen waren. „Sie wollten mir alle möglichen chinesischen Gerichte zeigen. Im Westen Chinas außerhalb der Großstädte wird man als „Westler“ noch liebenswürdiger empfangen, da sich meistens nicht viele Ausländer hier hin verirren. Da kommt es schon mal vor, dass Fotos mit einem gemacht werden wollen oder man auf Snacks oder ein Bier eingeladen wird.“ Obwohl ihm einige Essgewohnheiten seltsam vorkamen, hatten sich viele Vorurteile aber auch als falsch erwiesen: „Es wird zum Beispiel im Großteil der Provinzen weder Hund noch Katze gegessen“, berichtigt er das ein gängiges Klischee.

Weiter erinnert er sich: „Der größte Kulturschock waren die Menschenmassen“. Bei einer Einwohnerzahl von über 14 Millionen Menschen in Shanghai könne es schon einmal vorkommen, dass man in der Metro mehr Körperkontakt bekomme, als einem lieb sei.

Als Ratschlag für auslandswillige Studierende sagt er abschließend: „Wenn ihr gerade am Überlegen seid, während des Studiums ins Ausland gehen zu wollen – egal in welches Land – macht es! Lasst euch von dem organisatorischen Aufwand nicht abschrecken oder davon, eventuell nicht viele Kurse anrechnen lassen zu können. Die Erfahrung wird es auf jeden Fall wert sein. Seid möglichst offen für neue Kulturen, neue Denkweisen, eine neue Sprache und neue Menschen, dann werdet ihr auf jeden Fall eine tolle Zeit haben und eine Menge für euch mitnehmen können.“

Montag, 23. Oktober, 2017
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Tu-Mai Pham-Huu

Geschrieben von: Tu-Mai Pham-Huu
Tu-Mai Pham-Huu ist Redaktionsleiterin Crossmedia am KIT. Sie hat Psychologie in Heidelberg studiert und an der Burda Journalistenschule volontiert.