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Just heat_it: Mückenstiche per Smartphone heilen

Bsss sss bsss – das Geräusch einer Mücke im Anflug kann uns den Schlaf rauben oder den Grillabend vermiesen. Spätestens wenn uns dann die roten Einstichstellen jucken sind wir endgültig genervt. Um die Mückenstiche schnell und einfach zu behandeln, haben vier Studenten des KIT einen handlichen mobilen „Helfer“ entwickelt, der sich an ein Smartphone anschließen lässt und Stiche sowie Bläschen in Sekunden heilen soll. An der Markteinführung wird nun gearbeitet.

Fotos: heat_it
Text: Sandra Wiebe

 

Der „heat_it“ ist ein USB-Stecker, der konzentrierte Wärme abgibt. Die Wärme an der Einstichstelle regt das Immunsystem an und verhindert dadurch Schwellung und Juckreiz. Über eine App lassen sich Hauttyp und Art des Stiches einstellen. Das rein physikalische Prinzip löst keine allergischen Reaktionen aus, der Stromverbrauch ist gering. Auch gegen Herpesbläschen und Nesseln wirkt die konzentrierte Wärme. Mit ihrer Produktidee gewannen Stefan Hotz, Lukas Liedtke, Armin Meyer und Christof Reuter den Studierendenwettbewerb COSIMA 2017 (Competition of Students in Microsystems Applications) in München-Unterschleißheim. Beim darauf folgenden internationalen iCan Contest 2018 in Hongkong konnte das Team ebenfalls überzeugen und belegte wieder den ersten Platz.

 

 

Die Idee
Die vier Mitglieder des Teams studierten Maschinenbau am KIT, mit unterschiedlichen Schwerpunkten im Master wie Produktentwicklung oder Medizintechnik. Lukas erklärt, wie sie auf die Idee von heat_it gekommen sind: „Wir haben im Herbst 2016 gezielt nach einem passenden Produkt für den Studierendenwettbewerb COSIMA gesucht. Zu der Zeit hielt ich mich für ein Forschungspraktikum in Florenz auf und war extrem genervt von den vielen Mückenstichen. Die Behandlung mittels therapeutischer Hyperthermie – künstlich erzeugter Temperaturerhöhung – kannte ich bereits. Das Wirkprinzip hat mich überzeugt, allerdings nicht die verfügbaren Produkte. Man bräuchte ein kleineres, robusteres und intelligentes Produkt: Also warum nicht das Smartphone nutzen, um den Stichheiler zu steuern, mit Energie zu versorgen und Zusatzfunktionen zu ermöglichen? Die Idee war geboren und das Team schnell überzeugt.“

 

 

Das Produkt
Die Studenten besuchten das Seminar „Mikrosystemproduktentwicklung für junge Unternehmer“ am Institut für Mikrosystemtechnik (IMT) des KIT. Dort wurden sie bei der Entwicklung des Produkts unterstützt. „Wir konnten die Labore des IMT nutzen und ganz nebenbei noch Credit Points für unseren Masterabschluss sammeln“, berichtet Lukas.

Der erste Prototyp war faustgroß und noch weit vom heutigen Endprodukt entfernt. „Für das Entwickeln der Hardware und der App sowie die Miniaturisierung mussten wir uns in viele neue Gebiete einarbeiten. Das war eine spannende Herausforderung!“, so Lukas. Die Studenten verloren dabei aber auch nicht das wirtschaftliche Potenzial aus den Augen: Bei der Industrie- und Handelskammer ließen sie sich über ein mögliches Patent beraten und meldeten es auch an.

 

 

Ab Anfang 2017 entstanden immer mehr Prototypen in Handarbeit, die mit jeder Generation kompakter wurden. Daraus entwickelte sich dann der heat_it-Stecker in der heutigen Größe zweier Stück Würfelzucker oder eines kleinen Schlüsselanhängers. „Die Unterstützung des IMT und des Start-Ups memetis, welches ebenfalls eine Ausgründung des KIT ist und damals seine Labore am IMT hatte, war sehr wertvoll“, sagt Lukas. Bestärkt durch das positive Feedback und den Sieg bei COSIMA, bewarb sich das Team mithilfe des KIT für ein EXIST-Gründerstipendium. „Wir sind sehr froh, dass wir das Stipendium erhalten haben und nun an der Markteinführung des heat_it in unseren Büros am Campus Nord des KIT arbeiten können“, freut sich Lukas.

 

 

Die Zukunft
„Bei uns wird es auf Hochtouren weitergehen! Durch die EXIST-Förderung arbeiten wir jetzt Vollzeit an dem heat_it – eine große Erleichterung, nachdem bisher das Projekt neben Vorlesungen, Prüfungen und der Masterarbeit entstand. Bald wollen wir eine Firma gründen. Das Studium geht also nahtlos in die Selbstständigkeit über“, plant Lukas die Zukunft. Bei so viel Engagement ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann Lukas und seine Partner das Produkt auf den Markt bringen. Dann können wir alle cool bleiben und den heat_it startklar machen, wenn wir abends dieses Geräusch hören – Bsss sss bsss.

 

Wollt Ihr mehr über heat_it erfahren? Dann besucht das Gründerteam auf seiner Webseite.

Montag, 19. November, 2018
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Sandra Wiebe

Geschrieben von: Sandra Wiebe
Sandra Wiebe studierte Germanistik am KIT und ist seit Juli 2017 als Volontärin in der Abteilung Strategische Entwicklung und Kommunikation – Gesamtkommunikation am KIT angestellt.