CAMPUS, GESICHTER

Interkulturelles Engagement: „Anderen den Weg einfacher machen“

Lama Alkadi studiert Architektur und ist Geflüchtete aus Syrien. Als sie 2016 ihre erste Vorlesung am KIT besuchte, verstand sie nichts. Heute spricht sie hervorragend Deutsch und unterstützt internationale Erstsemester beim Start ins Studium. In der Koordination des Buddy-Programms für internationale Studierende organisiert sie als studentische Hilfskraft soziale und kulturelle Aktivitäten. 2018 wurde sie mit für ihr Engagement mit dem DAAD-Preis ausgezeichnet.

Foto: Markus Breig
Text: Anja Frisch


„Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, wie wichtig es am Anfang ist, Kontakte zu erleben“, sagt Lama Alkadi. 2015 flüchtete sie vor dem Bürgerkrieg aus der Zwei-Millionen-Metropole Damaskus und kam – „sehr zufällig, von den Behörden entschieden“ – nach Lindau am Bodensee. In ihrer syrischen Heimatstadt hatte sie schon drei Semester Architektur studiert, in Lindau begann sie Deutsch zu lernen, machte Praktika in einem Architekturbüro und einer Zimmerei. Zugleich setzte sich die damals 20-Jährige dort in einem Verein für unbegleitete minderjährige Geflüchtete ein. „Bei Ausflügen haben wir ihnen Schönes gezeigt, damit sie eine Zeit lang vergessen, was sie erlebt haben“, erzählt sie.

Nach Karlsruhe kam Lama Alkadi zum Wintersemester 2016/17. „Ich wollte an einer der besten Unis studieren, hier habe ich die Möglichkeit, bei sehr besonderen Architekten ausgebildet zu werden und das KIT hat einen super Ruf, deswegen bin ich froh hier zu sein.“ Sie entschied sich, noch einmal im ersten Semester einzusteigen, „um alles von Anfang an mitzubekommen, auch weil Deutsch nicht meine Muttersprache ist und das Studium in Damaskus anders aufgebaut ist“.

Die erste Zeit alleine in Karlsruhe war schwierig. „Ich hatte zu Hause noch bei meinen Eltern gewohnt, hier kannte ich niemanden, aber mein Ziel Architektur zu studieren, war größer als die Angst, dafür hatte ich alles hinter mir gelassen“, erzählt sie.

„Ich hatte so viele Fragen zum Wohnen, zum Bafög, zu den Prüfungen. In der Koordinationsstelle für Geflüchtete des KIT habe ich viel Information bekommen, dafür bin ich sehr dankbar“. Seit 2017 engagiert sich Lama Alkadi selbst in der Koordinationsstelle. Als studentische Hilfskraft plant und koordiniert sie mit zwei anderen Studierenden die Aktivitäten für das Buddy-Programm des KIT. Zunächst für Geflüchtete gedacht, gibt es das vom International Students Office (IStO) und dem House of Competence (HoC) angebotene Buddy-Programm seit 2018 für alle neu eingeschriebenen internationalen Studierenden. Diese bekommen ein Semester lang von ihrem Buddy – einer Studentin oder einem Studenten aus einem höheren Semester, idealerweise im selben Studiengang – Unterstützung bei allen Herausforderungen des Studienalltags. „Zur Zeit gibt es 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in dem Programm“, freut sich Lama Alkadi. „Ich organisiere vor allem die gemeinsamen sozialen Aktivitäten aller Buddy-Teams und überlege immer, was für möglichst viele interessant sein könnte. Zum Beispiel haben wir gemeinsam das Fest in der Günther-Klotz-Anlage, den Weihnachtsmarkt und verschiedene Museen besucht“. Auch beim Verein Together Karlsruhe ist die Studentin aktiv, wo sie sich für die Integration geflüchteter Jungendlicher einsetzt.

Für ihr „großartiges interkulturelles Engagement“ und außerordentliche Studienleistungen erhielt Lama Alkadi 2018 den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). „Ich finde es schön, wenn die Menschen sich kennenlernen und einen Blick auf andere Kulturen bekommen, davon profitieren beide Seiten“, sagt sie. Wie sie ihr Engagement mit dem zeitintensiven Studium verbindet? „Wenn das Studium mich stresst, tut es mir gut, Leute zu treffen, und es gibt mir selbst viel Freude, anderen den Weg einfacher zu machen“.

Vom Architekturstudium träumte sie schon als Schülerin. „Architektur verbindet Wissenschaft, Technik und Kunst, und sie hilft den Gesellschaften sich zu entwickeln“, so Lama Alkadi. Von Zeit zu Zeit trifft sich die Studentin mit ihrem älteren Bruder, der in Hamburg wohnt. Mit den in Damaskus gebliebenen Eltern hat sie über soziale Medien intensiven Kontakt, „aber man lebt mit der Angst“, sagt sie. Ihr Zukunftswunsch: „Als Architektin in Deutschland und Syrien zu arbeiten und mein eigenes Land wieder aufzubauen“.

Montag, 29. April, 2019
  CAMPUS, GESICHTER


Gastautor

Geschrieben von: Gastautor