CAMPUS, GESICHTER, RAUSGESCHAUT

Helfen in Corona-Zeiten

kahilft.de heißt die Webseite, die Hilfesuchende mit Helferinnen und Helfern zusammenbringt, gewissermaßen ein virtuelles Schwarzes Brett, an das man seine Gesuche und Angebote heften kann. An einer Hotline nehmen die Initiatoren außerdem an drei Tagen für jeweils zwei Stunden Anfragen persönlich entgegen.

Fotos: KAhilft
Text: Regina Link

Hinter der Aktion stecken die KIT-Studierenden Sören Finna, Johannes Wenz, Lars Eckmann, Rafael Schreiber, David Kretsch und Manuel Lang sowie der Pforzheimer Paul Massow. Die Aktion „Pforzheim hilft!“ war für den Physikstudenten und gebürtigen Pforzheimer Sören Finna Auslöser, etwas Vergleichbares auch in Karlsruhe auf die Beine zu stellen. Unterstützung erhielt er dabei vom Karlsruher Johannes Wenz. Zusammen mit Sören Finnas Studienkollegen Paul Valentin bauten sie eine Website und warben auf Social Media für ihre Idee. Zur gleichen Zeit hatten die KIT-Studierenden Rafael Schreiber und Lars Eckmann die Idee, eine Hilfshotline zu organisieren. Über den Social-Media-Appell wurden sie auf die andere Initiative aufmerksam. Schnell war man sich einig, gemeinsam weiterzumachen. Am 18. März ging ihr Angebot online.

„Am Anfang erhielten wir sehr viele Anrufe von Menschen, die helfen wollten, die Nachfrage dagegen war weit geringer.“ Gerade ältere Menschen würden sich wahrscheinlich selbst nicht als hilfsbedürftig einschätzen oder trauten sich nicht, bei einer Hilfshotline anzurufen, vermutet der KIT-Student. „Aber viele haben sich auch sehr gefreut, dass sie jemanden gefunden haben, den sie auch so anrufen können.“ Bei der Vermittlung versuchen die Studierenden, Helferinnen und Helfer zu finden, die in der Nähe der Hilfesuchenden wohnen, um eine langfristige Bindung zu fördern.

Für ihre Initiative erwies es sich als Glück im Unglück, dass der Shutdown auch für das KIT galt: „Am Anfang war es wirklich ein Vorteil, dass es keine Vorlesungen mehr gab. Um die Webseite aufzubauen, haben Johannes, Rafael und Lars und ich volle drei Tage gebraucht“, erinnert sich Sören Finna. Und auch danach fordert die Hilfsinitiative noch erklecklich Zeit. Die Hotline war anfänglich täglich vier Stunden geschaltet. „Die Gespräche dauerten in der Regel etwa 20 Minuten. Es riefen auch oft sehr einsame Menschen an, die lange reden wollten“, erzählt Finna. Inzwischen kann die Gruppe 55 vermittelte Hilfsanfragen und 804 Hilfsangebote bilanzieren. „Ich glaube, darauf können wir stolz sein“, findet Sören Finna. „Wir finden es superklasse und möchten allen Helferinnen und Helfern danken, aber auch unseren beiden Informatikern Manuel Lang und David Kretsch, die die Datenbank aufgebaut haben, und Johannes Wenz, der das Design gestaltet hat.“ Technisch unterstützt wurde das Team vom Telefonanlagen-Dienstleister Sipgate. Er stellt seine Dienste gratis zur Verfügung, was für die Studierenden eine große Hilfe ist, denn sie betreiben die Hilfeplattform nicht nur ehrenamtlich, sondern auch auf eigene Kosten.

Auch wenn es viel Zeit gekostet hat, Sören Finna findet dass es sich gelohnt hat. Ganz nebenbei hat er auch eine Menge für sich selbst mitgenommen: „Man lernt zu organisieren, im Team zu arbeiten, aber auch am Telefon mit Menschen umzugehen, die in Not sind.“ Nur schade, dass sich am KIT dieses Engagement nicht unmittelbar in ECTS-Punkten auszahlt, findet er.

Am Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale (ZAK) des KIT kann begleitend zum Ehrenamt ein Seminar belegt werden, in dem über das Engagement reflektiert wird. Auf diese Weise können Studierende projekt- und praxisorientiert das universitäre Lernen mit zivilgesellschaftlichem Engagement verbinden und dabei ECTS-Punkte erwerben. Mehr zum „Service Learning“ am ZAK erfahrt Ihr hier.

Donnerstag, 9. Juli, 2020
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Regina Link

Geschrieben von: Regina Link