GESICHTER, RAUSGESCHAUT

Gestern am KIT – heute auf der Forbes-Liste: Pascal Stichler

2016 machte er am KIT seinen Master of Science in Wirtschaftsingenieurwesen. Im selben Jahr gründete er die Plattform Carl für mittelständische Unternehmensverkäufe. Inzwischen gehört Pascal Stichler laut Wirtschaftsmagazin Forbes zu den einflussreichsten jungen Europäern: Der 27-Jährige ist unter den „Forbes 30 Under 30 Europe“ des Jahres 2018 gelistet.

 

Text: Sibylle Orgeldinger
Fotos: Carl Finance GmbH

 

 

Einen guten Namen für die Firma zu finden, war gar nicht so einfach: Kurz und griffig sollte er sein; zugleich sollte er eine wählerische Zielgruppe ansprechen – mittelständische Unternehmer, die einen Nachfolger suchen. So kamen die Gründer Pascal Stichler und Kurosch D. Habibi auf „Carl“. Der Name greift Vornamen wichtiger Gründer wie Carl Benz und Carl Zeiss auf, um zu signalisieren, dass die Online-Plattform Carl Finance GmbH an die große Tradition der Gründer und Unternehmer anknüpft.

 

Spagat zwischen Information und Diskretion
Als junge Unternehmer mit einem innovativen Konzept in einem von konservativen Strukturen geprägten Markt zu überzeugen, stellt für Stichler und Habibi eine der größten Herausforderungen ihrer Tätigkeit dar. „Wir sind beide in einer mittelständisch geprägten Gegend in Rheinland-Pfalz aufgewachsen“, berichtet Pascal Stichler. „So bekamen wir früh mit, wie schwierig es für viele Unternehmer ist, einen geeigneten Nachfolger zu finden.“ Einerseits gehört die Regelung der Nachfolge zu den schwierigsten und wichtigsten Aufgaben eines Unternehmerlebens. Andererseits schieben viele das Thema lange vor sich her und besprechen es allenfalls in einem begrenzten Kreis. „Wir haben uns überlegt, dass es ein zeitgemäßes Konzept geben muss, die Unternehmensnachfolge vorzubereiten – ein Konzept, das die Chancen digitaler Technologien nutzt und gleichzeitig größtmögliche Vertraulichkeit wahrt“, erklärt Stichler. „Diesen Spagat zwischen Information und Diskretion haben wir mit Carl geschafft.“
Schon während seines Wirtschaftsingenieurstudiums am KIT hatte Pascal Stichler den Trend zum Kauf mittelständischer Unternehmen durch Investoren aus dem In- und Ausland beobachtet. Die Online-Plattform Carl bringt beide Seiten – KMU und Investoren – zusammen und bezieht Rechtsanwälte, Unternehmensberater, Steuerberater und weitere Experten ein. Weil die 2016 gegründete Plattform, die ihren Sitz in Berlin hat, regionen- und branchenübergreifend arbeitet, bietet sie Unternehmen wie Kaufinteressenten einen breiten Zugang. Carl nutzt eine eigens entwickelte Software. „Allerdings werden alle Teilnehmer von Hand verifiziert; sodass größtmögliche Vertraulichkeit gewährleistet ist“, versichert Stichler. Die Plattform richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen aller Branchen. Vertreten sind derzeit unter anderem Software, Logistik, Medizintechnik und Anlagenbau. Über die Kontaktanbahnung hinaus unterstützt Carl die Beteiligten im gesamten Verkaufsprozess. Die beiden Geschäftsführer und ihre acht Mitarbeiter betreuen mittlerweile fast 500 Millionen Euro an Unternehmenswerten. Dabei suchen die beiden Gründer stetig nach weiterer Unterstützung. „Wir suchen immer engagierte Mitarbeiter, für ein Praktikum oder einen Festeinstieg in den Bereichen Business Development, Produktmanagement, Softwareentwicklung und Key Account Management.“

 

Für Forbes einer der einflussreichsten Europäer unter 30 Jahren
Mit Carl haben Pascal Stichler und Kurosch D. Habibi es nun auch auf die Liste „Forbes 30 Under 30 Europe“ des Jahres 2018 in der Kategorie „Finance“ geschafft. Das für seine Rankings der Reichsten und Mächtigsten bekannte Wirtschaftsmagazin Forbes veröffentlicht die Listen mit je 30 herausragenden Persönlichkeiten unter 30 Jahren jährlich; die nun zum dritten Mal erschienenen Listen für Europa umfassen verschiedene Kategorien wie „Technology“, „Industry“, „Finance“, „Science & Healthcare“ oder „Media & Marketing“. Insgesamt nennen die aktuellen „Forbes 30 Under 30 Europe“ 300 Personen und Teams aus 34 europäischen Ländern.
Pascal Stichler interessierte sich schon früh für Wirtschaft und Technologie. Den interdisziplinären Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen am KIT wählte er vor allem deshalb, weil er ein breites Spektrum an wirtschaftswissenschaftlichen Themen abdeckt. Während des Studiums, das er 2016 mit dem Master of Science abschloss, habe er nicht nur wichtiges Fachwissen erworben, sondern vor allem auch gelernt, selbstständig zu arbeiten und Probleme methodisch anzugehen, sagt er rückblickend. „Außerdem habe ich wichtige Kontakte geknüpft.“ Stichler absolvierte ein Auslandssemester in Indonesien und schrieb einen Teil seiner Masterarbeit in Tokio am National Institute of Informatics (NII), Japans größter Forschungseinrichtung in der Informations- und Kommunikationstechnologie.

 

„Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen“
Bereits während seines Studiums gründete Pascal Stichler zwei Unternehmen: eine Online-Plattform für Lehrer zum Austausch von Materialien zur Unterrichtsvorbereitung sowie eine App für Blutspender. Auch wenn dabei der große Erfolg noch ausblieb, sammelte er doch wertvolle Erfahrungen, die ihn in seiner Entscheidung für eine selbstständige Tätigkeit nach dem Studium bestärkten: „Ich fand es immer spannend, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen.“ Dies gilt auch für den Mitgründer und Mitgeschäftsführer von Carl Finance GmbH, Kurosch D. Habibi, der an der WHU – Otto Beisheim School of Management Betriebswirtschaftslehre studierte. Die beiden kennen sich schon seit der fünften Klasse. Für die Plattform Carl haben sie noch große Pläne: Sie wollen weitere Schritte des Unternehmensverkaufs digitalisieren, um schließlich den kompletten Prozess durch Software unterstützen zu können – vertraulich, versteht sich.

 

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Montag, 30. April, 2018
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