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FameLab: Verstehen macht glücklich

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Dr. Anastasia August, Mathematikerin und seit 2010 am Institut für Angewandte Materialien des KIT tätig, liebt Optimierungsarbeiten aller Art. Eines ihrer Hobbys ist deswegen, spannende Geschichten zu komplexen wissenschaftlichen Themen zu schreiben und zu erzählen.
Als FameLab-Vizemeisterin 2015 erzählt sie in clicKIT, wie sie selbst zum Wettbewerb kam und gibt Tipps für alle, die in ihre FameLab-Fußstapfen treten wollen.

Text: Dr. Anastasia August
Video: FameLab
Fotos: Emanuel Jöbstl

 

 

FameLab – das ist DER Wettbewerb für Wissenschaftskommunikation. Doch was genau ist das eigentlich? Unter dem Motto „Talking Science“ haben WissenschaftlerInnen aus über 20 Ländern bei diesem Event die Chance, ihre Forschung auf der Bühne zu präsentieren. Das Besondere: Der Vortrag darf nur 3 Minuten dauern und muss die richtige Portion Wissenschaft und Witz enthalten, um das Publikum und die Fachjury mitzureißen. Technische Hilfsmittel wie PowerPoint Präsentationen sind verboten. Nur Requisiten, die am Körper getragen oder schnell aufgestellt werden können, sind erlaubt. Anastasia August berichtet in einem Gastbeitrag von ihren ganz persönlichen Erfahrungen.

 

 

 

 

Lösungen für schwierige Aufgaben finden – das beflügelt mich
Warum FameLab? Weil‘s Spaß macht – mir. Und weil‘s glücklich macht – die Menschen im Publikum. Weil man über komplexe Zusammenhänge reden darf und einem wird trotzdem mit Interesse zugehört. Viele Menschen schauen mich an und lauschen jedem Wort. Sie verstehen – im Idealfall. Sie freuen sich, weil sie verstehen. Sie sind glücklich.

Dass Verstehen glücklich machen kann, habe ich in meinem Studium gelernt. Davor war mir das nie so bewusst. In der Schule war man höchstens neugierig oder freute sich über gute Noten und Lob. Aber glücklich sein, wegen des Schulstoffs allein?!

Dieses Glück erschloss sich mir erst völlig unerwartet an der Uni. Wann das zum ersten Mal passierte? Beim Grübeln über den Vorlesungsstoff, bei der Prüfungsvorbereitung oder beim Lösen der Übungsblätter am Tag vor der Abgabe – das weiß ich nicht mehr so genau. Ich war jedenfalls sehr müde. Es war Spätabend und ich hatte noch viel zu tun. Plötzlich fand ich eine Lösung für eine schwierige Aufgabe. Es dämmerte mir zunächst eine Weile, aber dann war sie da – die entscheidende Lösungsidee. Ich habe etwas verstanden, das mir zuvor als unerreichbar schwer erschienen war. Und da geschah es schlagartig: Die Müdigkeit fiel von mir, ich vergaß den Zeitdruck und den noch zu bewältigenden Berg an Arbeit. Ich war wach, frei, beflügelt und hatte das Gefühl, noch unendlich lange hier weiter sitzen bleiben zu können und Lösungen aufzuschreiben. Das war pures Glück.

 

 

 

Ein kurzer, verständlicher Vortrag ist eine mathematische Herausforderung
Sehr oft konnte ich das im Studium leider nicht empfinden. Aber hin und wieder schon. Es lohnte sich, über komplexe Sachen nachzudenken. Hat man sie verstanden, war man glücklich.

Bald habe ich bemerkt, dass sich auch andere Menschen sehr freuen, wenn sie etwas Komplexes verstehen können. Zum Beispiel im Universitätsbetrieb bei einer Übung. Oder wenn man ihnen von einer Bühne aus etwas erklärt und sie daraufhin lachen und klatschen, sie mehr hören wollen. Das ist dann wiederum mein Glück.

Einen kurzen, verständlichen Vortrag für FameLab vorzubereiten ist eine mathematische Herausforderung. Das ist nämlich eine Optimierungsaufgabe. Man soll aus dem (komplexen) Thema, der zur Verfügung stehenden Zeit (drei Minuten!) und den Vorkenntnissen des Publikums das Beste machen. Jedes Wort zählt. Man darf sich nicht zu lang fassen. Man muss sofort zum Kern vordringen. Man muss das Thema abspecken und es Fachchinesisch geeignet übersetzen. Man muss Analogien finden. Man muss die Aufmerksamkeit des Publikums sofort fesseln. Eine Optimierungsaufgabe, deren Lösung vom Publikum und von der Jury bewertet wird. Die Jury bewertet nach allgemeinen Kriterien. Das Publikum nimmt den Vortrag als Ganzes auf und reagiert unmittelbar – wie ein Kind.

 

 

Lampenfieber als positive Energiequelle
Wie ist das hinter der FameLab-Bühne? Hinter den Kulissen trifft man Seelenverwandte. Menschen, die gerne erklären. Menschen, die sich selbst gerne mal vergessen und sich auf ein Thema voll und ganz einlassen. Man lacht zusammen, freut sich zusammen und lernt voneinander. Man zittert zusammen.

Wie geht man mit der Nervosität um? Mein Rezept: Akzeptanz und eine Verlagerung der Schwerpunkte. Ich kämpfe nicht gegen die Nervosität an, ich nutze sie als positive Energiequelle, indem ich sie umlenke. Wenn man sich nämlich nicht mehr auf seine eigene Person, sondern auf die Aussage des Vortrags konzentriert, denkt man nicht mehr: „Hoffentlich mache ich keinen Fehler“, sondern „Hoffentlich gelingt es mir, meine Message rüberzubringen.“ Dann kann man nicht mehr abwarten loszulegen.

 

Die Vorbereitung: das Überflüssige streichen
Wie bereitet man sich auf FameLab vor? Schritt 1: Ein schönes Thema finden. Schritt 2: Eine kurze spannende Geschichte zu diesem Thema schreiben. Schritt 3: Einüben (mit einer Stoppuhr) unbedingt. Schritte 1 und 3 sind relativ einfach. Schritt 2 ist zeitaufwendig und entscheidend. Er muss reifen. Die besten Geschichten fallen mir ein, wenn ich im Kopf entspannt bin, z.B. beim Sport. Die Geschichte kurz zu fassen, ist sogar schwieriger, als sie spannend zu gestalten. Man muss erkennen, was wichtig ist, und was man streichen kann. Das Überflüssige schält sich weg. Der wesentliche Kern bleibt. Die Lösung einer Optimierungsaufgabe. Der Schlüssel zum Glück.

 

 

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Montag, 1. Januar, 2018
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Geschrieben von: Gastautor