CAMPUS, INTERNATIONAL

Engagement für Flüchtlinge am KIT: Studienbotschafter

Einige der Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen, sind noch jung. Um hier Fuß zu fassen und sich ein neues Leben aufzubauen, wollen viele in Deutschland studieren oder eine Ausbildung machen. Doch das gestaltet sich für sie schwerer als geahnt, denn oft sind die nötigen Sprachkenntnisse nicht vorhanden oder die Geflüchteten kennen die Anlaufstellen für Informationen nicht. Um diese jungen Menschen zu unterstützen, gibt es seit Juni dieses Jahres am KIT die Studienbotschafter. Meta Wolfsperger sprach mit drei von ihnen.

Fotos: Manuel Balzer

 

Ola Omar ist selbst 2011 von Ägypten nach Deutschland gekommen und hat ein Studium am KIT begonnen. Jetzt engagiert sie sich als Studienbotschafterin für Flüchtlinge in Karlsruhe und Umgebung. „Wir gehen in Flüchtlingsheime und Anschlussunterkünfte, um dort über Themen wie Orientierungstests, Zulassungsvoraussetzungen, erforderliche Deutschkenntnisse und Deutschkurse, Bewerbung und Studienfinanzierung, aber auch über die Möglichkeit eines dualen Studiums und einer Berufsausbildung zu informieren“, erzählt sie.

"Studienbotschafter am KIT". Au dem Foto zu sehen sind Rizwana Arshad, Ola Omar und Khalid Alsabbagh (v.l.n.r.).

 

Ähnliche Erfahrungen helfen
Für keinen der Studienbotschafter ist ihre Arbeit mit den Geflüchteten nur ein Job. Sie haben alle eine ähnliche Vergangenheit und die Erfahrung gemacht, dass es ohne Hilfe sehr schwer ist, sich mit dem neuen Umfeld, den organisatorischen Strukturen und den Anforderungen einer Universitätseinschreibung zurechtzufinden.
Khalid Alsabbagh, Student der Verfahrenstechnik im Master am KIT, berichtet: „Zwischen dem Bildungssystem in Deutschland und dem in meinem Heimatland Syrien gibt es große Unterschiede. Als ich 2014 nach Deutschland kam, hat mir niemand geholfen, mich zurechtzufinden.“

Das Projekt kommt gut an
Durch diese Erfahrungen ist es den Studienbotschaftern nun wichtig, die neu ankommenden Flüchtlinge zu unterstützen, um ihnen den Einstieg in ein Studium zu erleichtern. Dazu erklären sie den Geflüchteten nicht nur, wie sie ein Studium beginnen können, sondern erzählen auch von ihrem eigenen Weg. So können sie die Flüchtlinge auf persönlicher Ebene motivieren. Ola Omar freut sich über die Dankbarkeit, die sie von den Flüchtlingen erfährt: „Man merkt, dass die jugendlichen Geflüchteten sehr daran interessiert sind, wie es für sie weitergeht. Es ist immer ein gutes Gefühl, wenn sie sich für unsere Mühe bedanken und uns versprechen, dass sie sich wieder melden, wenn sie das erforderliche Sprachniveau erreicht haben. Wir haben nicht damit gerechnet, dass das Projekt so gut angenommen wird.“ Die Studienbotschafter stellen immer wieder erfreut fest, dass ihre Arbeit Früchte trägt und sich viele der Geflüchteten auf ihre Initiative hin um einen Studienplatz bemühen.

 

"Studienbotschafter am KIT". Au dem Foto zu sehen sind Rizwana Arshad, Ola Omar und Khalid Alsabbagh (v.l.n.r.).

 

Exotische Sprachen stellen keine Hürde dar
Auch sprachlich können die Studienbotschafter die Geflüchteten unterstützen. Durch die unterschiedlichen Herkunftsländer sind im Team der Studienbotschafter neben Arabisch, Englisch und Französisch auch exotischere Sprachen wie Urdu (Pakistan), Paschto (Afghanistan), Amharisch (Äthiopien), Tigrinya (Äthiopien und Eritrea) und Dari (Persische Sprache) vertreten. Rizwana Arshad, Masterstudentin am KIT, stammt aus Pakistan. Sie erzählt, wie überrascht viele der Geflüchteten sind, dass jemand vom KIT ihre Sprache spricht. Sie freuen sich darüber, dass sie in ihrer eigenen Sprache informiert werden, da es ihnen den Zugang zu einem Studium oder einer Ausbildung erleichtert.

Die Studienbotschafter selbst empfinden ihr Projekt als hilfreich und erfolgsversprechend und freuen sich darauf, es auch weiterhin zu betreuen und möglicherweise noch weitere Studienbotschafter in ihr Team aufzunehmen. Details gibt es auf der Informationsseite „Studienbotschafter für Geflüchtete“.

Zusätzlich gibt es eine wöchentliche Sprechstunde am KIT: Hier können offene Fragen geklärt sowie Zeugnisse überprüft und gegebenenfalls Tipps für Alternativen zum KIT aufgezeigt werden. Sie findet immer Donnerstag mit abwechselnder Sprachenbesetzung statt.

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Im Audio-Interview spricht Daniela von Rüden, Koordinatorin für die Integration von Flüchtlingen am KIT, über die Hintergründe des Projektes.

 

Montag, 21. November, 2016
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Meta Wolfsperger

Geschrieben von: Meta Wolfsperger
Meta Wolfsperger studiert am KIT Wissenschaft – Medien – Kommunikation und arbeitet als Autorin für clicKIT.