INTERNATIONAL, STUDIUM

Ein Paradies für Geologen

Fotos:  Agnes Kontny
Text:  Agnes Kontny, Sarah Werner


Im Osten der Arabischen Halbinsel liegt der Oman. Berge und Wüsten sind hier mehrere Millionen Jahre alt – und für Geologen ein wahres Paradies: Da hier kaum Pflanzen wachsen, sind Geschichte und natürliche Prozesse des geologischen Untergrunds „ungestört“ und geben deutliche Hinweise auf seine Funktion als Wasser- und Energiespeicher sowie Lagerstätte für Rohstoffe. Agnes Kontny und ihr Kollege Christoph Hilgers haben 16 Masterstudierende der Angewandten Geowissenschaften begleitet, um die faszinierenden Landschaften des Omans zu erkunden. 

Gruppenfoto auf dem Jebel Akhdar, einer faszinierenden Landschaft im Omangebirge.

In fünf Geländewagen starteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Muskat, der Hauptstadt des Omans. Mit den Autos transportierten sie Zelte und Verpflegung zu den täglich wechselnden Camps in der Wildnis. Denn in zwölf Tagen legten sie 1 000 Kilometer durch das Land zurück. Der erste Stopp war das Omangebirge. Im Nordosten des Landes ragt es mehr als 3 000 Meter in die Höhe. Gewaltige Aufschlüsse im Gelände legen hier Gesteinswelten frei, die bis zu 800 Millionen Jahre alt sind und den Studierenden faszinierende Einblicke in die geologischen Prozesse der Region ermöglichten. So konnten die Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler beispielsweise weltweit einzigartige Ophiolith-Abfolgen sehen. Ophiolithe bestehen aus Basalt der ozeanischen Kruste und des darunterliegenden Mantelgesteins. Bei einer Kollision der ozeanischen Kruste mit dem Kontinent werden sie auf die Landmasse aufgeschoben. Ein Komplex besteht in der Regel aus einer Abfolge dreier großer ozeanischer Gesteinseinheiten, aber nur im Omangebirge ist diese Dreiersequenz vollständig erhalten. Dabei können Ophiolithe für den Klimaschutz eine wichtige Rolle spielen, denn die wissenschaftliche Community untersucht sie intensiv als CO2-Speicher. 

Blick in den „Grand Canyon von Arabien“ mit Kalksteinen, die sich in der Kreidezeit (vor etwa 120 Millionen Jahren) auf dem arabischen Kontinentalschelf ablagerten und dann im Verlauf der alpidischen Gebirgsbildung gefaltet wurden.
Verfaltete und mit Störungen durchzogene Radiolarite (verfestigte Tiefseesedimete) der Batain-Decke nahe Ras Al Hadd. Der Geländeaufschluss dient als Seminarraum an dem durch „hands-on“ ein unmittelbares Verständnis für die Verformung von Gesteinen erfahrbar ist. 
Gang-in-Gang-Komplex in der Semail-Ophiolithdecke. Die Gänge sind die Magmen-Zufuhrkanäle für die darüberliegenden Kissenbasalte. 

Im Süden des Omangebirges erstrecken sich riesige Wüstengebiete. Hier konnten die angehenden Geologinnen und Geologen die zwischen den Ölfeldern gelegenen Salzdome erkunden, die vor etwa 600 Millionen Jahren aus zehn Kilometern Tiefe an die heutige Oberfläche aufgestiegen sind. „Die Durchquerung der Wahiba Sands-Wüste war sicher eines der größten Highlights auf unserer geologischen Exkursion“, sagt Kontny. Hier konnten die Studierenden eine Ausgrabung der etwas anderen Sorte erleben: „Unser Versorgungs-Kleintransporter blieb im Sand stecken. Alle mussten mit Schaufeln und Eimern anpacken, aber nach zwei Stunden war er wieder frei – ganz nach dem Motto ‚nobody is left behind‘.“

Überblick über die Kibrit-Salzdom-Struktur. Die schwarzen Gesteine sind Karbonate der Ara-Gruppe, die aus etwa zehn Kilometern Tiefe durch das Salz an die Erdoberfläche transportiert wurden.
Morgenstimmung vor dem Aufbruch ins Wadi al Abyad, in dem die Gruppe die fossile Mohorovičić-Diskontinuität (Mantel-Kruste-Grenze) studieren konnte.
  • Eindrücke aus der Durchquerung der Wahiba Sands-Wüste: Tankstelle

Der Gruppe zeigte sich der Oman als freundliches und weltoffenes Land mit zahlreichen kulturellen Highlights wie Steinzeitgräbern, Burganlagen und riesigen Moscheen. Auf den 1 000 Kilometern, die sie zurücklegten, sahen die Studierenden die faszinierendsten geologischen Phänomene und erlebten: ein Paradies für Geologen.

Videolink: https://www.youtube.com/watch?v=OZvtER0GOpU

Montag, 15. April, 2019
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Sarah Werner

Geschrieben von: Sarah Werner