GESICHTER, INTERNATIONAL, RAUSGESCHAUT

„Das wird schon klappen“: Samba und Spontaneität in Brasilien

Christian Saur studiert Wirtschaftsingenieurwesen am KIT. Vor kurzem kehrte er von einem Auslandsaufenthalt von der Universidade De São Paulo in Brasilien zurück. Christian war bereits im Alter von 14 bis 17 Jahren in Brasilien gewesen, sodass es für ihn einfacher war, sich einzuleben. Im Interview berichtet er, dass er das so gut tat, dass manche in Brasilien sogar dachten, er komme aus Südbrasilien, wo viele Deutsche leben.

Foto: Anne Cordts
Text: Eoin Schnell


Wie würdest du São Paulo beschreiben?
Christian Saur
: Es gibt dort viele Geschäftsleute. Die Stadt sieht recht neu aus, wenige gehen als Tourist dorthin, um Sehenswürdigkeiten zu bewundern. Ich würde São Paulo als riesige Kleinstadt bezeichnen. Anfangs dachte ich, es ist keine schöne Stadt, aber nachdem ich mich niedergelassen hatte, entdeckte ich den einzigartigen Charakter São Paulos, den ich wirklich genossen habe. São Paulo ist die größte und reichste Stadt Brasiliens, sie produziert einen Großteil des Umsatzes von Brasilien.

Was war der Anreiz, im Ausland zu studieren?
Saur: Im Allgemeinen finde ich es immer sehr interessant, ins Ausland zu gehen und neue Leute kennenzulernen. Ich war schon mit meinen Eltern in Brasilien, als ich jünger war, und seitdem wollte ich immer zurück oder ins Ausland reisen.

Hat sich dein Auslandsaufenthalt auf dein Studium am KIT ausgewirkt?
Saur: Nicht direkt. Ich denke jedoch, dass es mich persönlich beeinflusst. Ich habe die Chance bekommen, eine andere Kultur auf neue Weise zu sehen und zu verstehen. Ich habe gelernt, die Dinge auf andere Weise zu behandeln.

Wie war der Alltag in São Paulo?
Saur: Am Wochenende bin ich viel gereist, zum Strand oder nach Rio. Das Bussystem in Brasilien ist sehr effizient und auch erschwinglich. Du kannst überall mit dem Bus hinreisen, das ist sehr bequem. Und wenn du weiter gehen willst, sind auch die Flugzeuge nicht zu teuer.

Kannst du dich an Szenen erinnern, in denen dir der Unterschied zwischen deutscher und brasilianischer Kultur besonders aufgefallen ist? Und wie bist du damit umgegangen?
Saur
: Man merkt jedes Mal, wenn man versucht, etwas zu planen, dass die beiden Kulturen nicht zusammenpassen. Die Brasilianer sind sehr spontan und verlassen sich nicht sehr auf einen Plan. Man muss nur den örtlichen Supermarkt besuchen, um den Unterschied zu bemerken. In einem Supermarkt in Deutschland möchte jeder einfach nur seine Lebensmittel kaufen und so schnell wie möglich nach Hause gehen. In Brasilien bringt man samstags jedoch die ganze Familie mit, um Lebensmittel einzukaufen und sich dort mit Freunden zu treffen. Natürlich gibt es eine enorm lange Schlange – und während alle warten, machen sie ein Bier auf und plaudern mit umstehenden Personen in der Schlange. Sie sprechen auch mit dem Personal und vergessen dann zum Beispiel etwas, das sie  kaufen wollten. Das holen sie dann, während alle anderen warten. Die Atmosphäre bleibt aber freundlich, falls nötig, öffnen sie ein weiteres Bier. Einer unserer deutschen Kommilitonen konnte das nicht aushalten, deshalb ist er samstags nicht mehr in den Supermarkt gegangen. Diese entspannte Haltung durchdringt den größten Teil der brasilianischen Kultur. Die Menschen sind sehr optimistisch. Das wird schon klappen, das scheint ihre Einstellung zu sein. Jeder sagt immer, dass das Beste an Brasilien die Menschen sind, und ich denke, das stimmt auch. Du kannst auf der Straße mit jedem reden, wenn du willst.

Wie ist das Essen in Brasilien?
Saur: Sehr, sehr gut. Es gibt überall kleine Läden, in denen du essen gehen kannst, die Speisen bestehen oft aus Reis, Bohnen und Fleisch, das kostet nur 2,50. Und überraschenderweise hat São Paulo mit das beste Sushi, das ich je gegessen habe. Es ist wirklich lecker. In einigen Restaurants kannst du für nur 15 Euro essen.

Und die Musik?
Saur: Samba ist die Musik von Brasilien. Samba live in einer Bar zu hören, ist ein Erlebnis. In vielen Bars gibt es Live-Musik. Entweder Samba, Sertanejo oder Bossa Nova. Brasilianischer Funk läuft zudem immer im Radio oder auf Partys. In Brasilien wird viel getanzt. Du kannst hier nicht leben, wenn du nicht gerne tanzt, das heißt aber nicht, dass du gut tanzen können musst. Als ich nach Deutschland zurückkehrte, habe ich meinen Freunden brasilianischen Funk vorgespielt. Jetzt lassen wir es manchmal auf Partys laufen, die Leute tanzen darauf, das ist lustig.


Christian Saurs Aufenthalt in Brasilien lief über die Kooperation des KIT mit der Universidade De São Paulo. Für den Austausch mit Übersee-Ländern gibt es neben solchen direkten Kooperationen auch Programme des Landes Baden-Württemberg.

Ansprechpartnerin am KIT für Übersee-Austauschprogramme ist Laura Fischer (laura.fischer@kit.edu).

Termine von offenen Infoveranstaltungen und Informationen über Austauschprogramme nach Übersee findet Ihr auch hier.

Montag, 11. März, 2019
  GESICHTER, INTERNATIONAL, RAUSGESCHAUT


Gastautor

Geschrieben von: Gastautor