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Das Pelican-Programm am KIT: Begegnung auf Augenhöhe

Seit 2016 bietet das Pelican-Programm am KIT und an weiteren Karlsruher Hochschulen eine Begegnung zwischen Studierenden und Geflüchteten. Alle Karlsruher Studierenden sind eingeladen, sich an einem Tandem mit einem Geflüchteten mit akademischem Hintergrund zu beteiligen. Saskia Bälz hat Lars und Mohammed, zwei Teilnehmer des Tandem-Programms, bei einem gemeinsamen Treffen begleitet.

Fotos: Lydia Albrecht, Amadeus Bramsiepe

 

Lars und Mohammed sind inzwischen richtig gute Freunde geworden: Seit gut vier Monaten treffen sie sich im Rahmen des Tandem-Programms in unregelmäßigen Abständen. Lars ist 19 Jahre alt und studiert Wirtschaftswissenschaften am KIT, Mohammed ist 24 und kam vor rund eineinhalb Jahren aus Syrien nach Deutschland. In Syrien hat Mohammed nach einer kurzen Bäckerlehre das Studium der Zahnmedizin aufgenommen.

 

Hinter jedem Geflüchteten steckt ein anderes Schicksal
Mohammed kommt ursprünglich aus Darʿā in Syrien. Seit dem Ausbruch des Krieges hat sich sein Leben immer mehr eingeschränkt – sein Studium der Zahnmedizin musste er abbrechen, da er nicht mehr zu der Universität kam. Auch das zweite angefangene Studium in Wirtschaftswissenschaften an einer anderen, besser erreichbaren Universität konnte er aufgrund des Krieges nicht beenden.

Der Abbruch des Studiums und die Zerstörung seines Hauses waren nur einige der Schicksalsschläge, die Mohammed verkraften musste. Denn der Krieg nahm ihm auch seine ganze Familie, weshalb er sich letztendlich entschloss, aus Syrien zu fliehen. Mit Aushilfsjobs finanzierte er sich die Reise nach Deutschland. Mittlerweile hat er sich gut eingelebt: „Mir gefällt es sehr gut in Deutschland, die Menschen sind sehr nett hier“, berichtet Mohammed.

Durch Werbung in seiner Unterkunft wurde Mohammed auf das Pelican-Programm aufmerksam und traf so auf Tandem-Partner Lars, der durch seine Mitbewohner auf das Programm gestoßen ist.

 

 

 

Lars unterstützt Mohammed bei der Wohnungssuche
Die Treffen mit Lars sind immer etwas Besonderes, meistens versuchen sie sich einmal in der Woche zu sehen. Sie lassen sich jedes Mal etwas anderes einfallen: Mal treffen sie sich in einem Café, mal bei Mohammed zuhause oder, so wie bei unserem Treffen, im Schlossgarten. Neuerdings stehen allerdings vor allem Termine zur Wohnungsbesichtigung oder Gänge zu Ämtern an. Solche Termine muss ein Tandem-Partner natürlich nicht übernehmen, aber Lars macht das freiwillig und unterstützt Mohammed dabei gerne.

Obwohl Mohammed sehr gut deutsch spricht und sich regelmäßig für Wohnungen bewirbt, findet er zurzeit keine neue Unterkunft – das ist auch das Hauptthema beim diesmaligen Treffen. Mohammed möchte aus der Gemeinschaftsunterkunft mit 12 anderen Geflüchteten ausziehen. Er hätte gerne eine eigene Wohnung oder eine kleinere WG, da sich sein Tagesablauf stark von dem seiner Mitbewohner unterscheidet. „Mohammed ist sehr fleißig und lernt viel, er möchte die deutsche Sprache richtig gut sprechen. Andere in der WG wollen stattdessen lieber laute Musik hören oder ähnliches, sodass er keine Ruhe hat“, erklärt Lars.

 

Die Frage nach dem Berufsziel
Ein weiteres großes Thema, das die beiden beschäftigt ist Mohammeds berufliche Zukunft – zum Studieren findet er sich selbst zu alt. Denn um studieren zu können muss Mohammed mehrere langwierige Sprachkurse belegen, um ein möglichst hohes Niveau der deutschen Sprache zu erreichen. Stattdessen hat er sich schon nach Ausbildungsplätzen umgeschaut. „Ich habe an Arzthelfer gedacht, außerdem bin ich auch ursprünglich Bäcker von Beruf und vielleicht wäre das etwas für mich. Als Studium würde mich Bauingenieurwissenschaften interessieren, da Medizin hier in Deutschland ein sehr langes Studium ist, das dauert zu lang“, erklärt Mohammed. Die oberste Priorität ist aber erstmal die erfolgreiche Beendigung des Sprachkurses, den Mohammed jeden Tag besucht.

Das Treffen mit Lars und Mohammed hat einen guten Einblick in den Alltag einer Tandem-Partnerschaft gegeben. Dem Tandem ist es freigestellt, was man gemeinsam unternehmen möchte und wie oft man sich trifft – Lars und Mohammed sind nur ein Beispiel dafür. Ergänzt werden die privaten Treffen der Tandems durch gemeinsame Gruppenaktivitäten, beispielsweise Picknicks oder Museumsbesuche mit den Initiatorinnen des Programms, Dr. Monika Hanauska und Marie-Hélène Adam.

 

Mehr Infos rund um das Pelican-Programm
Wer gerne noch mehr Informationen rund um das Pelican-Programm hätte, kann sich das folgende Interview anhören: Saskia Bälz spricht hier mit Monika Hanauska und Marie- Hélène Adam über das Pelican-Programm im Allgemeinen, über Mitmachmöglichkeiten und an wen sich das Tandem-Programm richtet.

 

 

Montag, 4. September, 2017
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Saskia Bälz

Geschrieben von: Saskia Bälz
Saskia Bälz studiert Germanistik und Medientheorie und -praxis am KIT. Seit Oktober 2016 arbeitet sie bei clicKIT mit.