ARBEITSWELT

BROST! – Das Getränk von heute ist das Brot von gestern

Nachhaltigkeit ist in aller Munde – jetzt sogar im wahrsten Sinne des Wortes: Sechs Studierende des KIT haben unter dem Motto „Das Getränk von heute ist das Brot von gestern“ ein nachhaltiges Getränk entwickelt, das aus Altbrot hergestellt wird. Saskia Bälz hat sich mit ihnen unterhalten.


Fotos: BROST

Mit ihrem innovativen Produkt BROST! haben Nicolas Sanchez Salach, Lydia Weißenstein, Ludwig Höfert, Christina Wegner, Melanie Schulz und Gina Kaysan den 2. Platz beim Trophelia-Wettbewerb, einem Ideenwettbewerb des Forschungskreises der Ernährungsindustrie e.V. Bonn, gewonnen.

Die sechs Studierenden kommen aus den Bereichen Bio-, Chemie- und Wirtschaftsingenieurwesen. Durch ihre Vertiefungsfächer wurden sie auf den Wettbewerb aufmerksam. Dieser gab dem Team den Anstoß, ihr neuartiges und nachhaltiges Produkt zu entwickeln: „Wir hatten lange gebrainstormed und kamen auf unser Produkt, weil wir es unnötig finden, dass so viel Brot weggeworfen wird. Zum Vergleich: In Deutschland wird im Jahr so viel Brot weggeworfen, wie in Niedersachsen im Jahr verbraucht wird. An dieser Stelle wollten wir ansetzen“, erklärt Lydia. Irgendetwas mit dem übriggebliebenen Brot sollte es werden.

 

 

Von der Idee zum fertigen Produkt
Und dann ging alles ganz schnell: In weniger als sechs Monaten wurde aus der ersten Idee ein fertiges Produkt. Ende Oktober stand der Entschluss, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Bis Anfang Dezember musste die Produktidee für die Teilnahme am Wettbewerb eingereicht werden. Nach intensivem Brainstorming und erstem Ausprobieren einigten sich die Studenten auf BROST!, ein alkoholhaltiges Brotgetränk. Als Partner für das benötigte Altbrot ließ sich die Badische Backstube gewinnen. „Ihnen gefiel das Produkt und die Idee, sie wollten Teil davon sein“, erklärt Christina.
Nachdem sie sich bei der Brauerei Vogelbräu noch Tipps zum Brauen von Bier geholt haben, starteten die Studenten im Dezember die regelmäßigen Brautage im Lebensmitteltechnikum des KIT, an denen sie immer wieder an der Rezeptur und dem Verfahren von BROST! feilten. Der Brauvorgang und der Alkoholgehalt von BROST! ähneln dem eines klassischen Bieres, nur eben mit den Zutaten Brot, Malz, Wasser, Hefe und Hopfen. An einem Brautag, der von etwa acht Uhr morgens bis halb sechs Uhr abends stattfand, entstanden insgesamt acht bis zehn Liter BROST!.
Die anstrengende Arbeit hat sich ausgezahlt: Heraus kam ein erfrischend prickelndes Brot-Bier-Getränk. „BROST! gibt es in zwei Geschmacksrichtungen: Natur und Hibiskus-Apfel. BROST! Natur schmeckt nach einem malzigen, leicht brotigen Bier und das Hibiskus-Apfel-BROST! schmeckt wie eine leicht säuerliche, spritzige Limonade. Aber es ist schwer zu beschreiben, weil es eigentlich nichts Vergleichbares gibt“, lacht Lydia. Bei Freunden, der Familie und der Trophelia-Jury kam es jedenfalls sehr gut an. Schließlich erreichten sie am 26. April 2017. den 2. Platz beim Trophelia-Wettbewerb. Hoch zufrieden und mit dem Preisgeld in der Tasche konnten die Zweitplatzierten nach Hause fahren.

 

 

Zukunftspläne mit BROST!
Bis zur letzten Charge haben die sechs Studierenden insgesamt etwa 70 Liter BROST! gebraut. Nicht nur das Getränk wurde von ihnen selbst hergestellt, auch das Design der Flaschen ist handmade: „Die Etiketten haben wir selbst designt und aufgeklebt“, erzählt Lydia und Nicolas ergänzt: „Vom Design waren die Juroren ganz besonders begeistert, sie meinten das könnte eins zu eins so im Supermarkt oder in der Bar stehen“. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind fast alle bisher hergestellten Chargen aufgebraucht.
Die Gruppe hat viel Herzblut, viel Leidenschaft, aber auch viel Zeit in ihr Produkt gesteckt – wie soll es mit dem Produkt weitergehen? „Hand aufs Herz – gerade ruht es. Wir sind alle in einer sehr lernintensiven Phase, es sind auch momentan nicht alle von der Gruppe da. Nach dem Studium wäre es durchaus denkbar, das Projekt nochmal anzugehen: Der Prozess und die Rezeptur stehen ja bereits“, berichtet Ludwig. Lydia fügt hinzu: „Das Projekt liegt uns sehr am Herzen, es gibt dennoch auch viel Zeitintensives, was noch organisiert werden muss: Logistik und Partner sind nur ein Teil, der fehlt, um unser Projekt groß aufzuziehen.“
Mehr über den Ablauf des Trophelia-Wettbewerbs und den Weg der Gruppe bis zur Wettbewerbsteilnahme und dem Wettbewerbsgewinn erfahrt ihr im Audiointerview mit Ludwig und Nicolas.

 

Montag, 28. August, 2017
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Saskia Bälz

Geschrieben von: Saskia Bälz
Saskia Bälz studiert Germanistik und Medientheorie und -praxis am KIT. Seit Oktober 2016 arbeitet sie bei clicKIT mit.