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Biologie fürs Leben

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Seine Ausbildung am Institut für Molekulare Zellbiologie hat Lukas Geschwender mit Auszeichnung abgeschlossen – nun studiert er Angewandte Biologie. Streberalarm? Eher ein Fall für unseren roten Teppich, findet unsere Autorin Sarah Mall.

Fotos: Markus Breig, Magali Hauser

 

Wie eine graue Labormaus sieht er nicht aus, als er sich vom Rad schwingt: Groß, trainiert, mit einem offenen Lächeln. In seiner ehemaligen Lehrstätte trifft Lukas Geschwender überall auf Bekannte, sagt hier hallo und fragt dort nach dem Neuesten. Dann wirft er seinen Laborkittel über – bereit, Rede und Antwort zu stehen. „Schon als Schüler habe ich mich für Naturwissenschaften interessiert. Bio und Chemie hatte ich vierstündig.“

 

 

Ein Orientierungspraktikum im Botanischen Institut besiegelte die Entscheidung, hier seine Karriere zu beginnen.

Während der dreijährigen Ausbildung zum Biologielaboranten war der 22-Jährige Teil eines Forschungsprojekts zur Resistenz von Reis. „Es ging darum, im Reis Faktoren zu finden, die ihn widerstandsfähiger machen – unter anderem gegen Salzstress etwa aufgrund von Überflutungen.“ Mit Gentechnik habe das dann nicht zwingend zu tun: „Solche Erkenntnisse fließen vor allem in die Züchtung der Reissorten auf natürlichem Weg, damit kann eine Genmanipulation umgangen werden. Die ist in Deutschland sowieso stark reglementiert.“ Seine Forschungsergebnisse brachten Lukas den mit 1000 Euro dotierten Helmholtz-Ausbildungspreis ein.

 

 

Ein weiterer Höhepunkt war für ihn der wissenschaftliche Aufenthalt am Partnerinstitut IRRI, dem International Rice Research Institute: Sechs Wochen verbrachte er auf den Philippinen – der Kontakt zur Einrichtung und den dortigen Wissenschaftlern bleibt. Lukas‘ Vorwissen aus der Ausbildung kommt ihm auch während seines Studiums zugute – gerne wird er von Dozenten als „kostenloser Hiwi“ eingesetzt und erklärt Kommilitonen die ersten Schritte im Labor. Klingt wie das Klischee des Stufenstrebers, tatsächlich ist Lukas aber auch noch sympathisch und vielseitig interessiert. Das Helmholtz-Preisgeld investierte er in eine Trekkingausrüstung, um am Wochenende den Schwarzwald zu durchstreifen, auch ein weiterer Besuch auf die Philippinen ist geplant.
Der finanzielle Aspekt der Auszeichnung ist für ihn nicht mehr wichtig – durch sein gewerkschaftliches Engagement hat er ein Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung erlangt. Seine Zukunft sieht Lukas am KIT: Bachelor und Master, Hiwi-Stelle am ehemaligen Institut, Thesis möglicherweise am IRRI und Promotion. Die Grundsteine sind gelegt: Es bleibt spannend, was wir von Lukas Geschwender noch Großes zu erwarten haben.

Montag, 18. Juli, 2016
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Sarah Mall

Geschrieben von: Sarah Mall
Sarah Mall hat zuerst Übersetzung, dann Kultur- und Medienwissenschaft studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin und Texterin in Karlsruhe.