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Biokraftstoff statt Gold: eine Führung über den Campus Nord

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Der Campus Nord: hier werden in riesigen Tanks die Auswirkung von Aerosolen auf das Wetter simuliert, die Masse von Neutrinos gemessen oder Biomasse zu Kraftstoff gemacht. Nur bleibt dieser Teil des Karlsruher Instituts für Technologie den Meisten unbekannt. Aus diesem Grund fanden im November 2017 Führungen für Studierende des KIT statt. Fabian Oswald war dabei.

Text: Fabian Oswald
Fotos: Gabi Zachmann, Amadeus Bramsiepe, Laila Tkotz

 

 

Am Abend vor der Führung überlege ich mir noch, wie ich am besten zum Campus Nord komme. Es gibt einen Shuttlebus, so viel weiß ich. Allerdings könnte ich ja auch das Fahrrad nehmen. Ich stelle mir das schön dramatisch vor: vom Karlsruher Schloss aus zehn Kilometer durch den Wald radeln, bis die Bäume lichter werden und sich vor mir plötzlich diese mysteriöse Anlage erhebt, ein Gebäudekomplex um einen stillgelegten Atomreaktor, in dem irgendwo phosphoreszierende Algen leben. Das ist im Grunde alles, was ich zu diesem Zeitpunkt über den Campus Nord des KIT weiß. Ähnlich geht es auch den meisten anderen Studierenden. Durch die Campusführung sollen sie die Gelegenheit erhalten, diesen Teil ihrer Universität etwas besser kennenzulernen.

 

 

 

Erste Station: Wolkenkammer AIDA
Nach einem kurzen Blick auf das Thermometer entscheide ich mich am nächsten Morgen gegen das dramatische Erlebnis und für den Shuttle. Siebzehn Studierende nehmen heute an der Tour teil. Am Ziel angekommen, werden wir mit einer kurzen Einführung in die Geschichte und Forschung des Campus Nord begrüßt. Anschließend steigen wir in einen eigens organisierten Bus und fahren zum ersten Besichtigungsort der Tour: der Anlage AIDA. Sie ist weltweit einmalig: in einem Behälter von 7,5 Metern Höhe und vier Metern Durchmesser, in dem Temperaturen von -90°C bis +60°C herrschen können, werden verschiedenste Wettersituationen simuliert. Das Ziel ist es, die Auswirkungen von Aerosolen auf das Klima zu messen–winzige Partikel, die aus Vulkanen, Wüstenstaub oder Abgasen stammen und den Himmel regelrecht verdunkeln können. Zur Veranschaulichung wird uns die Wolkenbildung durch Aerosole in Miniatur vorgestellt: mit einer Pumpe, einem kleinen Vakuumbehälter und einem Streichholz.

 

KATRIN, die überdimensionierte Neutrinowaage
Als nächstes geht es zu KATRIN, einer weiteren Anlage, an der alles überdimensional ist. Allein die Infotafel ist fast zehn Meter lang, die Anlage selbst um die siebzig. Über 150 Menschen sind an diesem internationalen Projekt beteiligt, dessen Ziel die Messung der Masse von Neutrinos ist. Neben einem monströsen, 200 Tonnen schweren Tank besteht KATRIN noch aus einem weiteren Teil, den wir nicht besichtigen dürfen. Hier wird das für das Projekt benötigte, radioaktive Tritium eingespeist.

 

Endstation: Bioliq – hier wird Stroh zu Kraftstoff
Vorbei an Kascade, einer der größten Photovoltaikanlagen Deutschlands, geht es zum letzten Halt der Tour: die Bioliq-Anlage. In einer großen Halle mit gestapelten Strohballen wird uns der Leitgedanke von Bioliq erklärt: damit die Produktion von Nahrungsmitteln nicht mit der von Kraftstoff in Konkurrenz steht, wird hier an der Verwendung von nicht essbarer Biomasse geforscht. „Hier wird nicht Stroh zu Gold gemacht wie im Märchen, dafür aber zu synthetischem Biokraftstoff“, wird uns erklärt. Das scheint ein etwas praktischerer Ansatz zu sein.

 

 

Ein eindrucksvoller Tag geht zu Ende
Um zurück in die Stadt zu kommen, nehme ich wieder den Shuttle und fahre noch einmal über das Gelände. Die Campusführung hat einen interessanten Einblick in eine ganz andere Welt des KIT gegeben. Die Forschung hier wurde verständlich und eindrucksvoll nähergebracht – dass während der Führung meistens nur die Eingangshallen der Anlagen zu sehen waren, finde ich allerdings etwas schade. Auf dem Platz neben mir sitzt Christiana, Wirtschaftsingenieurin im zweiten Mastersemester. Auch sie hat die Tour aus Neugier mitgemacht. „Ich habe mir gestern noch überlegt mit dem Fahrrad herzufahren, aber wozu gibt es den Shuttle“, sagt sie mit Blick auf die verregnete Straße. Wenigstens bin ich damit nicht alleine.

Am Campus Nord können Führungen auch auf Anfrage organisiert werden. Mehr Information dazu findet ihr hier.

Montag, 22. Januar, 2018
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Geschrieben von: Gastautor