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Begegnung der Religionen am KIT

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In der Projektgruppe „Haus der Begegnungen“ findet jedes Semester eine interreligiöse Dialogveranstaltung statt, diesmal mit dem Thema „Vergebung — konstruktive Kraft der Konfliktlösung?“ Meta Wolfsperger war dort und berichtet.

Fotos: Sandra Göttisheim

 

Als ich das erste Mal vom „Interreligiösen Dialog“ höre, bin ich neugierig. Was für Menschen besuchen so einen Dialog? Wer wird als Referent geladen? Und wie kontrovers unterhalten sich die Referenten mit unterschiedlichem religiösen Hintergründen und unterschiedlichen Lebensweisen? Prallen da nicht völlig unterschiedliche und unvereinbare Perspektiven aufeinander?

Ich besuche den „Interreligiösen Dialog“ zum Thema „Vergebung — konstruktive Kraft der Konfliktlösung?“ am 27. Juni 2016, einem der bisher heißesten Tage dieses Sommers. Der Dialog soll im Foyer des Center for Functional Nanostructures auf dem KIT Campus-Süd stattfinden. Mehrere Stuhlreihen mit Blick auf einen Stuhlkreis sind um einen kleinen Tisch herum aufgestellt. Dort werden die Referenten Platz nehmen.

 

Ich werde von den Organisatoren der Veranstaltung, Prof. Dr. Caroline Robertson-von Trotha, der Leiterin des ZAK, und deren Mitarbeiterin Lydia Heidebrecht freundlich empfangen und dem langjährigen Projektgruppenmitglied Mesut Palanci vorgestellt. Noch bevor der Dialog beginnt, lerne ich die drei Referenten kennen. Sie sind wie vermutet sehr unterschiedliche Persönlichkeiten mit verschiedenen religiösen Ausrichtungen und Berufen. Prof. Dr. Annette Kämmerer ist Psychotherapeutin und Psychotherapieforscherin, Aaroun Abdurrahim Schabel ist der erste Vorsitzende der Islamischen Arbeitsgemeinschaft für Sozial- und Erziehungsberufe (IASE e.V.) und angehender psychologischer Psychotherapeut und Dr. Wolfgang Heinrich war beruflich über 30 Jahre in der Entwicklungszusammenarbeit für kirchliche Entwicklungsorganisationen tätig.

Langsam trudeln die Zuhörer ein. Allerdings nicht unbedingt zahlreich, was wohl an dem gleichzeitig stattfindenden Fußballspiel der EM liegt, wie Prof. Dr. Robertson-von Trotha mit einem Schmunzeln erwähnt. Zu Beginn hält sie eine kurze Ansprache, in der sie die Motivation hinter dem Interreligiösen Dialog erklärt: „Das Ziel dieser Begegnung ist es, andere besser zu verstehen und dadurch Fremdheit zu überwinden“. Aha, also geht es weniger um die Konfrontation selbst als vielmehr um einen gemeinsamen Konsens?

 

 

Der Dialog zwischen den drei Referenten und der Moderatorin Andrea Legge, Pastoralreferentin und Supervisorin der Erzdiözese Freiburg, beginnt. Die Referenten beleuchten das Thema Vergebung sowohl aus therapeutischer als auch religiöser Sicht. Vergebung sei, so Prof. Dr. Kämmerer, eine bewusste Entscheidung, die dem Betroffenen Selbstbestimmung, Freiheit und Autonomie zurückgeben könne. Vergebung sei aber immer auch durch die religiöse Ausrichtung einer Person geprägt und könne zum Beispiel im Islam auch eine kollektive Dimension haben, betont Herr Schabel. Im Verlauf des Dialoges wird immer deutlicher, dass die Meinungen der drei Referenten in einem Punkt übereinstimmen: Das Thema der Vergebung nimmt in der therapeutischen Arbeit, aber auch in den beiden Weltreligionen Christentum und Islam eine wichtige Rolle ein. Abgeschlossen wird der Dialog mit einer kurzen Fragerunde aus dem Publikum.

 

 

Im Anschluss führe ich ein Interview mit Prof. Dr. Robertson-von Trotha und Mesut Palanci. Ursprünglich sei das Projekt aus der Intention heraus entstanden, dem religiösen Diskurs am KIT eine Plattform zu bieten, erzählt Herr Palanci. Daraus entstand 2011 die Projektgruppe „Haus der Begegnung: Religionen und Kulturen am KIT“. Auf die Frage, wozu der Interreligiöse Dialog veranstaltet würde, betont Prof. Dr. Robertson-von Trotha: „Die Konflikte sollen sichtbar gemacht werden, um Brücken zwischen den Differenzen zu ermöglichen.“ Aus den Differenzen zwischen den Religionen sollen so also Möglichkeiten zur gemeinsamen Verständigung entstehen.

Dass die Dialoge durchaus schon kontroverser und hitziger geführt wurden als bei dem Thema Vergebung, erläutert Prof. Dr. Robertson-von Trotha am Beispiel einer Veranstaltung, bei der es um die Beschneidung ging. Bei solchen Themen sei auch die Zuhörerzahl deutlich höher.

Die Projektgruppenmitglieder haben sich bewusst dafür entschieden, kontroversere Themen im Winter- und weniger kontroverse im Sommersemester zu diskutieren. Mit dieser Aussicht bin ich gespannt auf das Thema des Interreligiösen Dialogs im kommenden Wintersemester und darauf, welche Referenten sich dem kontroverseren Thema annehmen werden.

Im Audio hört ihr Prof. Dr. Robertson-von Trotha und die Referenten im Interview.

Montag, 18. Juli, 2016
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Meta Wolfsperger

Geschrieben von: Meta Wolfsperger
Meta Wolfsperger studiert am KIT Wissenschaft – Medien – Kommunikation und arbeitet als Autorin für clicKIT.