CAMPUS, GESICHTER

Barrierefreiheit am KIT: Studieren mit Handicap

Video

Wer im Alltag auf den Rollstuhl angewiesen ist oder mit einer Sehbehinderung studiert, der steht auch auf dem Campus vor besonderen Herausforderungen. Das KIT unterstützt mit Beratungsangeboten, Nachteilsausgleichen und setzt bei baulichen Maßnahmen auf Barrierefreiheit.

Wenn die Informatikstudentin Tanja eine Vorlesung besuchen möchte, dann muss sie das Gebäude schon einmal über einen Keller befahren oder auch einen Lastenaufzug verwenden, der sich ganz hinten in einem Werkraum versteckt. Da Tanja nur kurz stehen kann, benötigt sie seit fast 10 Jahren täglich ihren Rollstuhl. Das hält die Zwanzigjährige aber nicht von ihrem Studium ab − inzwischen kennt sie ihre Wege und findet sich in ihrem Studienalltag gut zurecht.

 

Noel Auch, Felix Klein und Felix Zink haben für das Seminar „Multimediaprojekt: Video“ im Kooperationsstudiengang KulturMediaTechnologie der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft und der Hochschule für Musik Karlsruhe die KIT-Studentin Tanja in ihrem Alltag begleitet.

 

Geholfen hat Tanja das umfangreiche Beratungsangebot am KIT, das auch Coachings und maßgeschneiderte Trainingsangebote umfasst und für alle Studierenden mit Behinderungen und chronischen Krankheiten gilt. Auch die Universität hat ein Interesse daran, mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen, denn bereits kleine praktische Maßnahmen können den Alltag der Studierenden erleichtern. So hat Tanja darauf aufmerksam gemacht, dass der Haupteingang zur Mensa meist durch Fahrräder versperrt ist. Nun steht den Rollstuhlfahrern ein alternativer Eingang zur Verfügung.

 

Barrierefreiheit bei Neubauten und Nachrüsten der bestehenden Gebäude
Aus Sicht der Hochschule ist es besonders wichtig, zukünftig bei jeder Baumaßnahme die Barrierefreiheit gleich mitzudenken. „Das KIT hat bei jeder genehmigungspflichtigen Baumaßnahme, sei es ein Neubau oder eine Grundsanierung, die Vorgaben der Landesbauordnung Baden-Württemberg zu berücksichtigen“, erklärt Reinhard Subbert, Leiter des Facility Managements. „Bei Nichterfüllung würden wir keine Baugenehmigung erhalten. Mit den Vertreterinnen und Vertretern der Schwerbehinderten sind wir in einem regelmäßigen Austausch.“

Auch bauliche Veränderungen oder Anpassungen in der bereits bestehenden Bausubstanz werden vorgenommen, damit den Betroffenen ein möglichst barrierefreier Zugang zu den erforderlichen Räumlichkeiten gewährt werden kann. In der Regel handelt es sich dabei um Rampen, Markierungen, automatische Türöffner, Rollstuhlboxen, in einzelnen wenigen Fällen auch um Aufzüge. „Im Großforschungsbereich, also dem Campus Nord, sind wir in der Umsetzung solcher Ergänzungsmaßnahmen schneller“, sagt Reinhard Subbert, „weil wir diese selbst veranlassen können. Am Campus Süd übermitteln wir die Anliegen an das Bauamt, dort liegt auch die Zuständigkeit für die Umsetzung.“

Mit dem „SmartCampus barrierefrei“ hat das KIT zudem in der Forschungsgruppe „Cooperation & Management“ unter Leitung von Prof. Sebastian Abeck ein interaktives Service-System entwickelt, das relevante Informationen zur barrierefreien Orientierung und Navigation auf den verschiedenen Campussen des KIT online bereitstellt und bündelt. Das Webtool macht die Planung eines barrierefreien Studiums möglich, indem dort Informationen zu Gebäudezugängen, Leitsystemen, Infotheken, Behindertentoiletten oder zur Hörsaalausstattung (wie etwa unterfahrbare Tische oder Netzanschlüsse) abgerufen werden können.

 

 

Den meisten Studierenden mit Beeinträchtigung sieht man nichts an
Die Mobilitätseinschränkungen von Studierenden im Rollstuhl sind offensichtlich, sagt Frau Angelika Scherwitz-Gallegos, die sich am KIT als Beauftragte für alle Studierende mit Behinderung und chronischer Krankheit einsetzt. Doch wie sie gegenüber der Fachschaftszeitung „Schärfer Bitte!“ betont, sind dagegen rund 94 Prozent der Beeinträchtigungen unsichtbar. Dazu gehören Studierende mit Sinnes- und Mobilitätsbehinderung, mit psychischen Beeinträchtigungen, Autismus, mit Diabetes, Organerkrankungen, Krebs, MS oder auch Legasthenie, die alle spezifische Bedürfnisse haben und einen Mehraufwand bei der Studienplanung leisten müssen. Unter Umständen ist es möglich, bei den Studienleistungen einen Nachteilsausgleich zu beantragen, der etwa eine schriftliche Prüfung durch eine mündliche ersetzt oder den Kandidatinnen und Kandidaten mehr Prüfungszeit zur Verfügung stellt.

Vor allem für Studierende mit einer Sehbehinderung steht mit dem „Studienzentrum für Sehgeschädigte“ bereits eine Serviceeinrichtung zur Verfügung, die alle Betroffenen umfangreich unterstützt. Für alle anderen Studierenden mit Handicap empfiehlt Frau Scherwitz-Gallegos zunächst eine individuelle Beratung, bei der auch über Praktika, Auslandssemester und den Übergang in den Beruf gesprochen werden darf. Auch Tanja ist seit Oktober 2017 als studentische Hilfskraft in der Beratungsstelle tätig.

Beratungsangebote gibt findet ihr hier.

Erfahrungsberichte von Studierenden mit Handicap und weitere Informationen im clicKIT-Dossier „Studieren mit Handicap“.

Montag, 19. März, 2018
  CAMPUS, GESICHTER


Martin Heidelberger

Geschrieben von: Martin Heidelberger